Abdullah-Zentrum in Wien: Bandion-Ortner tritt zurück

Bild: Helmut Graf

Die Vize-Generalsekretärin des Abdullah-Zentrums für Internationalen Dialog (KAICIID) in Wien, die früheren Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, tritt zurück. Im Herbst 2014 hatte sie mit Aussagen unter anderem zur Todesstrafe in Saudi-Arabien für Kopfschütteln gesorgt - sie erklärte, dass in Saudi-Arabien nicht jeden Freitag geköpft werde.

"Ich werde mich in der nächsten Zeit zurückziehen", sagte Bandion-Ortner. Gegenüber der "Tiroler Tageszeitung" bestätigte Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) den Rücktritt und forderte eine Neuausrichtung des Zentrums.

Die Grünen hatten zuvor Kurz in der Debatte um das Zentrum "Verzögerungstaktik" vorgeworfen. Kurz hatte erst angekündigt, vor einer Entscheidung über die Zukunft des von Saudi-Arabien finanzierten Zentrums dessen Evaluierung abwarten zu wollen.
Grünen-Chefin Eva Glawischnig forderte am Samstag den sofortigen Ausstieg Österreichs. "Ich brauche keine Evaluierung, wir wollen nicht darauf warten." Die Grünen würden weiterhin jeden Freitag vor dem Dialogzentrum stehen, um gegen die drohende Auspeitschung des Bloggers Raif Badawi zu demonstrieren, der sich für die Gleichbehandlung der Religionen ausgesprochen hatte.
"Das werden wir nicht dulden"

"Erfreulich" ist für Glawischnig die Bewegung der SPÖ in der Causa. Sie fordert nun einen raschen Beschluss über den Ausstieg im Nationalrat. "Dieses Zentrum erfüllt überhaupt nicht die Aufgaben eines Dialogs und schweigt zu grundlegenden Fragen der Menschenrechte. Zu Auspeitschungen darf niemand schweigen, schon gar nicht jemand, dessen Aufgabe der Dialog ist. Das werden wir nicht dulden", sagte Bundeskanzler Werner Faymann dem "Kurier".

Das umstrittene Zentrum selbst rückte zur eigenen Verteidigung aus: Die Türen stünden "für alle Interessierten offen", hieß es in einer Aussendung. Als Hommage an den Geldgeber trägt das Zentrum den Namen des schwerkranken greisen saudi-arabischen Monarchen. Kritiker sehen in der Institution einen Versuch Riads, sein international wegen Menschenrechtsverletzungen ramponiertes Image aufzupolieren.

Denn während in Wien mittels Dialog Brücken gebaut werden sollen, droht in Saudi-Arabien jedem, der von der dortigen mittelalterlichen Ausrichtung des Islam abfällt, der Tod.

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