Niederösterreich

Abzocke - Nein, Danke! Schlüsseldienst-Tipps vom Profi

Kein Schloss ist vor Michael Bübl aus Ernstbrunn sicher. Der Schlossermeister kennt alle Tricks und ärgert sich über die Abzocker vom Schlüsseldienst.

Heute Redaktion
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Michael Bübl weiß, worauf man beim Schlüsseldienst achten muss.
Michael Bübl weiß, worauf man beim Schlüsseldienst achten muss.
privat

Er ist einer der es wissen muss, Michael Bübl, Schlossermeister im Ruhestand öffnet seit 1986 Wohnungen und sah dabei alles: Chaos, Müll, Leichen, Tiere etc. "Nach 30 Jahren kenn ich die Schlüsselbranche auswendig", teilt Bübl mit. Und die schwarzen Schafe in der Branche ärgern ihn am meisten.

Er bringt alles auf - auch Keuschheitsgürtel

"Als ich den Artikel über die über 1.000 Euro Abzocke gelesen habe, war ich sauer. Es ist eine Frechheit, wie manche aus der Branche Profit aus der Notlage der Menschen schlagen", ärgert er sich. Er hat sich nach einer Werkzeugmacherlehre zum Aufsperrer ausbilden lassen und drei Meisterprüfungen (Schlossermeister, Mechanikermeister, Schmiedemeister) absolviert. Von 1986 bis 1989 arbeitete er bei mehreren Firmen, bis er 1990 selbstständig in Wien als Schlüsseldienst rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr gearbeitet hat. Kein Gebäude war vor ihm sicher - Bübl hatte den richtigen Schlüssel für alle Schlösser. Gericht, Exekutionen, Räumungen, Privat, Gewerblich, Behördlich - er sperrte für alle auf. "Von der Grablaterne bis zum Schiff und Flugzeug. Vom Sparschweinderl bis zum tonnenschweren Panzerschrank, vom Keuschheitsgürtel oder Handschellen im Puff bis zur Burg (Greifensein) - einfach alles", lacht er. 

100 Leichen schon gesehen

100.000 Aufsperreungen absolvierte er in seiner Berufslaufbahn. Seine Hauptaufgabe war der Notdienst: Anruf - hinfahren - aufsperren - weiter. Die grausigste Seite seine Jobs waren die Aufsperrungen, wo der Wohnungsbesitzer bereits verstorben war. "Gezählt habe ich die aufgefundenen toten Menschen nicht, aber es könnten 100 gewesen sein", erzählt er von der anderen Seite seiner Arbeit. In Insiderkreisen bekam er den Spitzname „Leichenmichi“. Der Schlüsseldienst ist bei so etwas der Erste, der zum Handkuss kommt. Sonst hat Bübl alles gesehen, was die Großstadt bietet: Armut, Not, Elend, Reichtum, Lügner, Betrüger, Gsindl und Ganoven.

Fibel für ausgesperrte Leute

Seit 2005 ist Bübl als Buchautor, Kursleiter, Ausbilder von Schlossfachkräften und Vortraggender (auch in Deutschland) unterwegs. "Natürlich auch als Sicherheitsberater für Leute, die niemals Opfer eines Einbruchs werden wollen", grinst er. Für alle, die sich nicht abzocken lassen wollen, hat er die Fibel für ausgesperrte Leute geschrieben. "Hier findet man Tipps und Tricks vom Profi. Damit man nicht gleich das letzte Hemd an der Wohnungstür verliert", betont Bübl.