"AC Valhalla: Belagerung von Paris" im Test – Tiptop

Nach dem Wikinger-Ausflug nach Irland geht es in "Assassin's Creed Valhalla" im zweiten DLC "Belagerung von Paris" nach Frankreich. Sehenswert!

Wieder überrascht ein neuer Inhalt für "Assassin's Creed Valhalla" mit einer komplett neuen Umgebung. Nachdem es in "Zorn der Druiden" bereits in den Kampf gegen einen mythischen Zirkel nach Irland ging, nehmen wir nun an einem Überfall auf die französische Hauptstadt Paris teil. "Die Belagerung von Paris", so der Name der zweiten Erweiterung, hat nicht nur eine ganz neue Spielwelt, eine neue Handlung und neue Charaktere zu bieten, sie hat mit 15 Spielstunden auch viel Inhalt.

Wieso es unsere Spielfigur nach Paris verschlägt, handelt der DLC schnell ab: Zwei neue Persönlichkeiten überreden uns zu einem Raubzug und mit etwas Bitten lassen wir uns die Chance auf fette Beute nicht entgehen. Schnell wird es allerdings kompliziert, gefährlich und auch etwas wahnsinnig. Schon der Einstieg ist sehenswert: Während Paris selbst etwas düster und grau, in der Nacht aber mit wunderschönen Feuern und Lichteffekten ausgefallen ist, kann man sich an satten Wiesen, sprießenden Feldern und bunten Dörfern rundherum kaum sattsehen.

Geizig bei Nebenmissionen

Was allerdings schade ist: Gerade bei den Nebenmissionen geizt "Die Belagerung von Paris" wie schon der Vorgänger "Zorn der Druiden" gewaltig. Zwar führen viele Aufträge in fast alle Ecken der Spielwelt, abseits der Kampagne hat man bis auf Sammelgegenstände und andere Items kaum einen Grund, alle Areale der wirklich wunderschön ausgefallenen Spielwelt auszukundschaften. Neu sind zwar so genannten "Rebellenaufträge", bei denen es sich aber um einfache "Erreiche den Ort und bekämpfe die Feinde"-Aufgaben handelt. Schade, da wäre wie beim Vorgänger mehr möglich gewesen.

Einziger Lichtblick bei dieser neuen Missionsart: Mit der damit gewonnenen Spielwährung lässt sich der eigene Trupp an KI-Helfern aufrüsten, was die Motivation dann doch einige Zeit lang hoch hält. Umso spannender ist allerdings die Kampagne ausgefallen, die von der ersten Minute an fesselt, uns mit einem drohenden Einfall der Truppen von König Charles nach England mitzittern lässt und mit wahnsinnig gut umgesetzten und vertonten Nebencharakteren begeistert. Was bei der Handlung, Technik und Grafik im neuen DLC geboten wird, ist einfach tiptop!

Die Handlung ist ganz großes Kino!

Selbst für ein "Assassin's Creed" ist die Länge und die tolle Machart der vielen Videosequenzen außergewöhnlich, sie könnten als CGI-Kinofilm durchgehen. Viel Wissen aus dem Hauptteil braucht man für "Die Belagerung von Paris" übrigens nicht, denn es kommt so gut wie keine Anspielung und so gut wie kein bekannter Charakter vor. Dafür erwartet uns wiederum aber ein durchaus spannender und gut inszenierter Bosskampf im Rahmen des neuen Abenteuers. Einige kleine Schwächen hat die Handlung dann allerdings doch, wenn man wirklich ins Detail gehen will.

So ist deutlich anzumerken, dass einige Szenen und vor allem Dialoge schon deshalb nicht allzu sehr in die Tiefe gehen können, weil das Spiel sich offenhalten musste, ob man mit einer weiblichen oder einer männlichen Spielfigur ins Game einsteigt. Der Haken daran liegt aber noch etwas tiefer: Kaum zuvor wirkte unsere Heldin oder unser Held Eivor so neben der Spur. So treffen die anderen Story-Charaktere Entscheidungen, erleiden Verluste und feiern Siege, während Eivor scheinbar ohne eigene Entscheidungsgewalt in alles hineingezogen wird und wie ein Beifahrer im großen Abenteuer wirkt.

Ach, die guten alten "AC"-Zeiten

Zwar kommt auch "Die Belagerung von Paris" mit einem gefährlichen Geheimorden daher, dessen Mitglieder wir meucheln sollen, dabei hat Ubisoft aber eingelenkt, zum Glück! Statt einer Hinweissuche quer über die neue Karte wie in "Zorn der Druiden" und dem Hauptspiel gibt es nun wieder fixierte Schauplätze mit kleinen Rahmenhandlungen, in denen die Attentate ausgeführt werden müssen. Im Test zeigt sich das keineswegs als Rückschritt, sondern als willkommene Abwechslung im Action-Game. Die Meuchelmorde erinnern vielmehr an die guten alten Zeiten der Videospiel-Serie.

So macht es einfach Spaß, Wachen zu belauschen, um deren Schwachstellen wie Dienstwechsel oder Pausen und damit Schleichwege an ihnen vorbei zu finden oder zu erfahren, wann unsere Zielperson in einem unachtsamen Moment ohne die wertvollen Sicherheitsleute herumläuft. Auch kommt etwas mehr Dramatik dadurch auf, dass man sich scheinbar mehrere Wege zum erfolgreichen Attentat bahnen kann, auch wenn das Attentat letztlich selbst nur auf die direkte oder eine vorgegebene indirekte Art hinausläuft. Der direkte ist übrigens meist nicht nur langweilig, sondern auch unnötig schwierig.

Perfekt getroffene Erweiterung

Bei den Waffen warten im DLC neuartige Sensen und einige neue Kurzschwerter, wobei sich vor allem die Sensen optisch stark von den bisherigen Waffentypen unterscheiden, allerdings nur wenige neue Angriffsmöglichkeiten wie Wirbelattacken bieten. Und je länger man ins Abenteuer eintaucht, desto positiver und negativer fallen zwei Mechanismen auf. Negativ: So gut wie alle Türen in Paris sind versperrt und erfordern zwar simple, aber dennoch nervige Schlüsselsuchen. Positiv: Im Kanalnetz herrscht eine unheimliche Rattenplage, die in Form smarter Rätselmechanismen gelöst werden kann.

Man kann nun darüber meckern, dass "Die Belagerung von Paris" nicht allzu viele Items, Ausrüstungsgegenstände, Waffen oder Nebenaufgaben bietet, allerdings darf der großartige Rest nicht außer Acht gelassen werden. Die Kampagne ist großartig geraten, die Grafik das Beste, das die "Assassin's Creed"-Serie bisher hervorbrachte und nie machte es so viel Spaß, den NPCs zu lauschen und sie besser kennenzulernen. Experimente wagt "Die Belagerung von Paris" zwar keine, wer aber bisher Spaß an "Valhalla" hatte, der wird die neue Erweiterung, die auf klassischen Spuren wandelt, einfach lieben.

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