Laut Statistik Austria ist etwa jeder fünfte Österreicher von Adipositas betroffen. Besonders hoch ist der Anteil im Burgenland: Rund 22 Prozent der Bevölkerung gelten dort als adipös. Damit liegt das Bundesland österreichweit an der Spitze. Zum Vergleich: In Tirol sind es etwa 13 Prozent.
Eine neue, in 14 Ländern durchgeführte Studie zeigt in Österreich außerdem ein gering ausgeprägtes Problembewusstsein. Adipositas (krankhaftes Übergewicht) wird hierzulande seltener als Krankheit wahrgenommen, zudem suchen Betroffene vergleichsweise selten ärztliche Unterstützung. Für die Studie wurden insgesamt 14.500 Erwachsene aus 14 Ländern befragt.
In Österreich wurden für eine Studie 205 Menschen mit Adipositas und 795 ohne diese Erkrankung befragt. Besonders positiv fällt auf, dass sich Menschen mit starkem Übergewicht hierzulande seltener selbst die Schuld an ihrem Gewicht geben als der weltweite Durchschnitt. Trotzdem sehen nur 57 Prozent der Betroffenen ihr Übergewicht als medizinisches Problem – weltweit sind es 71 Prozent. Kein Wunder also, dass im letzten Jahr nur jeder vierte Betroffene (26 Prozent) wegen seines Gewichts einen Arzt aufgesucht hat.
Nur die Hälfte (51 Prozent) der adipösen Menschen in Österreich glaubt, dass das Übergewicht "vermeidbar und von persönlichen Entscheidungen abhängig" ist. Damit liegt Österreich unter dem Schnitt der 14 untersuchten Länder, wo 66 Prozent dieser Meinung sind. Auch bei der Frage, ob gesunde Ernährung und Bewegung ausreichen, um Adipositas zu bewältigen, zeigt sich Zurückhaltung: Nur 50 Prozent stimmen zu, weltweit sind es fast zwei Drittel (63 Prozent).
Als adipös (fettleibig) gilt man nach der gängigen medizinischen Definition ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30.
Der BMI berechnet sich so:
Gewicht (kg) ÷ Körpergröße² (m²).
Er dient als grober Richtwert, um das Körpergewicht im Verhältnis zur Größe einzuordnen.
ABER: Der BMI hat auch Schwächen
1. Er unterscheidet nicht zwischen Muskel- und Fettmasse.
2. Sehr muskulöse Menschen können deshalb einen hohen BMI haben, ohne zu viel Körperfett zu besitzen.
Beim Wissen über die gesundheitlichen Folgen gibt es deutliche Lücken. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Adipositas und Typ-2-Diabetes (53 Prozent) oder Herzerkrankungen (52 Prozent). Was bestimmte Krebsarten betrifft, erkennen das sogar nur 17 Prozent.
Dennoch sagen 84 Prozent der Betroffenen, dass sich ihr Gewicht negativ auf die Zufriedenheit mit ihrer eigenen Gesundheit auswirkt. Menschen mit Adipositas sind in Österreich um 21 Prozentpunkte weniger zufrieden mit ihrer körperlichen Gesundheit als Menschen ohne diese Erkrankung – im weltweiten Vergleich liegt der Unterschied bei 19 Prozentpunkten. Auch die Auswirkungen auf Bewegung (86 Prozent) sowie auf Ernährung und Essgewohnheiten (84 Prozent) werden häufig bestätigt.
Roberto Cortese, der die Studien zu Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen leitet, sieht in Österreich "eine fehlende Inanspruchnahme medizinischer Hilfe". Der Welt-Adipositas-Tag am 4. März sei eine Chance, "das Narrativ umzuschreiben und Adipositas in der Öffentlichkeit als eine komplexe chronische Krankheit zu präsentieren, die Aufmerksamkeit, Aufklärung und professionelle Hilfe bedarf, wie jede andere Krankheit auch."