Was auf TikTok wie echter Zuspruch für Alice Weidel wirkt, könnte in Wahrheit eine koordinierte Manipulationskampagne sein. So soll ein Netzwerk aus mehr als 1.200 TikTok-Accounts über Monate hinweg systematisch Lobeshymnen auf die AfD-Chefin verbreitet haben. Zusammen erreichten sie mehr als drei Millionen Follower und über 30 Millionen Likes.
Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation "Reset Tech" nach eingehender Analyse. Auffällig: Es geht zwar um deutsche Innenpolitik, doch die meisten dieser Accounts stammen nicht aus Deutschland. Rund 57 Prozent der untersuchten Beiträge wurden laut der Analyse aus Nigeria hochgeladen, 236 Profile posteten zumindest einmal von dort.
Die internationale Organisation mit EU-Sitz in Berlin schickt sich an, "das Verhältnis zwischen Medien und Demokratie neu zu gestalten und eine Gesellschaft zu fördern, die besser informiert und weniger gespalten ist". Dazu sollen unter anderem wissenschaftliche Recherchen und Analysen erstellt und politischen Entscheidungsträgern verfügbar gemacht werden.
Die Autoren der Studie sehen laut "Welt" Hinweise auf eine gesteuerte und womöglich automatisierte Kampagne. Viele Profile hatten ähnliche Namen, gleiche Bilder oder fast identische Kurztexte.
Dazu kommt das Tempo: 188 Konten veröffentlichten im Schnitt in weniger als einer Minute Abstand. 54 Prozent der Beiträge waren wortgleich oder nutzten dasselbe Video, 258 Profile waren an dieser Vervielfältigung beteiligt.
Kurios ist auch die Vorgeschichte vieler Profile. Einige verbreiteten davor Inhalte zu Online-Investments oder Devisenhandel. Zwischen November 2025 und Januar 2026 wurden zahlreiche Konten umbenannt und stellten danach plötzlich auf Weidel- und AfD-Inhalte um.
Die AfD weist eine Beteiligung zurück und sagt, man habe keine solche Kampagne beauftragt. "Wir konzentrieren uns nur auf ihre eigenen offiziellen Kanäle", erklärt Weidels Sprecher Daniel Tapp gegenüber "Politico".
Fix ist, dass damit gegen die Regeln der Plattform verstoßen wird. TikTok schreibt selbst, dass koordinierte unauthentische Netzwerke verboten sind, wenn sie Nutzer oder Systeme täuschen und Debatten zu wichtigen Themen oder Wahlen beeinflussen sollen.
"Reset Tech" fordert nun die Löschung des identifizierten Netzwerks und mehr Transparenz über die Maßnahmen gegen solche Meinungsmanipulation.
Brisant ist der Fall besonders wegen der großen Reichweiten der Plattformen. Viele Jugendliche informieren sich nahezu ausschließlich über TikTok und Co.
"Reset Tech"-CEO Ben Scott unterstreicht: "Dieser Fall zeigt, wie leicht Akteure mit Sitz im Ausland große Plattformen ausnutzen können, um innenpolitische Narrative zu verstärken."