Die Bundesspitze der AfD hat alle Bereiche der Partei dazu aufgefordert, bei Veranstaltungen auf den österreichischen Rechtsextremen Martin Sellner zu verzichten. Einen entsprechenden Beschluss hat der Bundesvorstand rund um die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla am Montag in Berlin gefasst. Martin Sellner gilt als einer der führenden Köpfe der rechtsextremen Identitären Bewegung.
Im Vorstandsbeschluss steht wörtlich: "Alle Verbände und Mitglieder der AfD aufgefordert, keine Parteiveranstaltungen mit Herrn Martin Sellner durchzuführen." Das Schreiben richtet sich an sämtliche Landes-, Bezirks- und Kreisvorstände der Partei.
Im Jänner hatten AfD-Abgeordnete den Österreicher im thüringischen Landtag in Erfurt getroffen. In Brandenburg war schon davor eine AfD-Landtagsabgeordnete gemeinsam mit Sellner öffentlich aufgetreten.
Im Schreiben an die Landes-, Bezirks- und Kreisvorstände verweist der AfD-Bundesvorstand außerdem auf das eigene Positionspapier zur "Remigration" vom Jänner 2024 sowie auf die "Erklärung zum deutschen Staatsvolk und zur deutschen Identität" aus dem Jänner 2021.
Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz stuft Sellner als "Leitfigur der 'Identitären Bewegung' im gesamten deutschsprachigen Raum" ein. Er verfüge "aufgrund seiner breiten Vernetzung in der neurechten Szene über vielfältige alternative Möglichkeiten, um seine rechtsextremistischen Ideen und Theorien zu propagieren", heißt es in einer Analyse des Verfassungsschutzes.
Sellner befeuert weiterhin Themen wie "Remigration" oder die Verschwörungstheorie eines "Großen Austauschs". Die in rechtsextremen Kreisen verbreitete Vorstellung von "Remigration" bedeutet im Endeffekt, dass eine homogene Bevölkerung geschaffen und alle Menschen ausgewiesen werden sollen, die nicht als zum Volk gehörig gesehen werden.
Der AfD-Bundesvorstand hat sich zwar offiziell von diesem Konzept distanziert – allerdings hat ein AfD-Bundesparteitag vor einem Jahr die Forderung nach "Remigration" ins Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2025 aufgenommen.