"Deutschland braucht Atomwaffen", mit diesen Worten eröffnete der AfD-Abgeordnete Kay Gottschalk ein Video, welches er auf X postete. Grund für diese drastische Aufrüstungsidee: Die Grönland-Pläne von US-Präsident Donald Trump. Gottschalk zufolge würde dies zeigen, dass es keine Freundschaften mehr zwischen Ländern gebe, nur noch Interessen.
Gegenüber "FOCUS online" untermauerte der AfD-Politiker seine Position. "Erst greift Russland die Ukraine an. Trump will Kanada und Grönland in die USA einverleiben, das bringt eine Dynamik: Wer weiß, ob Russland demnächst Anspruch auf einen Teil Polens erhebt", so die Befürchtung des Bundestagsabgeordneten.
Ihm zufolge würde gerade die Situation in der Ukraine zeigen, "dass Verträge nichts mehr wert sind". Damit meint der AfD-Politiker das Budapester Memorandum von 1994. In dem wurde festgehalten, dass die Ukraine ihre Atomwaffen aufgibt und dafür von Großbritannien, den USA und Russland Sicherheitsgarantien erhält.
Mit solchen Aussagen weicht Gottschalk deutlich von der Trump- und russlandfreundlichen Linie seiner Partei ab. Besonders brisant: Bei Gottschalk handelt es sich nicht um einen kleinen Fisch. Er ist Mitbegründer der AfD, Bundes-Vize-Sprecher und Vorsitzender der Partei im Bundesland Nordrhein-Westfalen.
Nun legen ihm eigene Parteikameraden den Rücktritt nahe. Der Kreisvorstand der AfD in Regensburg, Nikolai Sitschow, warf Gottschalk Militarismus vor. Er schade dem Ansehen der Partei und solle zurücktreten. Auch der innenpolitische Sprecher der AfD im sächsischen Landtag, Sebastian Wippel, erteilte den Atomwaffenplänen seines Kollegen eine Absage.
Und was sagt die Führungsriege der Partei? Gar nichts. Auf Anfrage des "FOCUS" wollten sich weder Alice Weidel noch Tino Chrupalla eindeutig dazu positionieren. Es hieß lediglich, dass dieses Thema derzeit "kein Diskussionsgegenstand in der Fraktion" sei.
Wenigstens der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Markus Frohnmaier, bezog dazu Stellung. Grundsätzlich stimme er dem Vorschlag von Gottschalk sogar zu, dennoch müsse dies "sorgfältig geprüft" und "nicht im Zusammenhang eines einzelnen Konflikts kurzfristig entschieden werden".
Fakt ist: Die Grönland-Situation sorgte schon vorher für Zwist in der AfD. So kritisierte der Chef der Parteijugend "Generation Deutschland", Jean-Pascal Hohm, das Vorgehen von Trump. Er sprach sich dafür aus, den Dänen und den Grönländern beizustehen. Europa dürfe sich von den USA nicht erpressen lassen.
Gegenwind kam damals vom AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah. Dieser meinte, dass Grönland geografisch zu Amerika gehöre und man nicht mit den USA in Konflikt geraten solle. Schließlich würde Trump die AfD im Falle eines Verbotsverfahrens unterstützen. Seitens der Trump-Regierung wurde für so einen Fall tatsächlich schon mit Zöllen gedroht.