Corona-Experte zum Schul-Start: "Mache mir Sorgen"

Bernhard Benka, neuer Leiter für Öffentliche Gesundheit bei der AGES.
Bernhard Benka, neuer Leiter für Öffentliche Gesundheit bei der AGES.apa/picturedesk
Ages-Infektionsexperte Bernhard Benka beobachtet den bevorstehenden Schulstart mit Sorge. Der sei ein Gradmesser für die Effektivität der Maßnahmen. 

Spitzenmediziner Bernhard Benka trat vor kurzem die Nachfolge von Franz Allerberger als Leiter des Bereichs für „Öffentliche Gesundheit“ bei der Agentur für Gesundheit und Ernährung (Ages) an. Mit dem "Kurier" sprach Benka über die derzeitige Corona-Situation in Österreich. Er betont gegenüber der Tageszeitung: "Zu glauben, dass die Fälle in den kommenden Wochen nicht noch weiter steigen werden, wäre verwegen." Dass der Rückreiseverkehr noch nicht abgeschlossen sei und der bevorstehende Schulstart bereite ihm "Sorgen".

Für Benka stellt das Ende der Ferien einen Gradmesser für die Effektivität der Maßnahmen gegen das Coronavirus dar. "Die ersten Schulwochen werden zeigen, in welcher Intensität sich die vierte Welle weiter entwickelt, ob es mit einer Intensivierung der Impfkampagne und dem Testkonzept an Schulen gelingt, Spitzenwerte abzufangen und den Aufwärtstrend zu bremsen", so der Ages-Experte.

Hohe Corona-Zahlen wegen Delta-Variante

Er führt den raschen Anstieg der Zahlen auf die Verbreitung der Delta-Variante in Österreich zurück. Die infektiösere Mutation ist laut Benka mittlerweile die dominante Variante. Er selbst hofft auf eine baldige Kinderimpfung. "Mittlerweile wissen wir mehr über gesundheitliche Langzeitfolgen und dass sie, seltener aber doch, auch Kinder betreffen können. Deshalb verwehre ich mich dagegen, einen großen Teil der Bevölkerung, der nicht geimpft werden kann, einfach der Infektion auszusetzen."

Benka hält Kinder für besonders schutzbedürftig. Einer Impfpflicht für Lehrer kann er aus "fachlicher" Sicht etwas abgewinnen. "Wenn mir Menschen anvertraut werden, für die es keine Impfung gibt und die es sich nicht aussuchen können, ob sie mit mir zu tun haben oder nicht, sollte ich diese Personen nicht der Gefahr aussetzen, dass ich sie mit einer Infektionskrankheit anstecke."

Benka sprach zudem weiter über...

Einen neuen Lockdown: "Persönlich bin ich noch zuversichtlich, dass wir ohne radikale Maßnahmen wie großflächige Lockdowns auskommen und mit regionalen Beschränkungen das Auslangen finden werden – damit gibt es bereits gute Erfahrungen. Grundsätzlich ist es aber so, dass die Durchimpfungsrate ganz wesentlich darüber entscheiden wird, ob ein Lockdown notwendig wird – oder nicht."

Den Vergleich mit anderen Ländern: "Es spielt auch eine Rolle, wie sich eine Gesellschaft als Ganzes gegenüber der Pandemie verhält, ob sie willens ist, durch die Politik gesetzte Maßnahmen einzuhalten – etwa die 3-G-Regel."

1G versus 2G: "Tests sind immer nur eine Aussage über den Testzeitpunkt, da bleibt eine Zeitspanne, die man nicht überwachen kann. Wer dann trotz negativen Tests infektiös wird, hat ein größeres Risiko, schwer zu erkranken und diese Infektion an einen viel größeren Personenkreis weiterzugeben."

Neue Infektionskrankheiten: "Wir sehen seit einigen Jahren zum Beispiel Fälle von West-Nil-Virus-Infektionen, die durch die bei uns heimische Hausgelse übertragen werden."

Den Wert von hochwertigen Impfstoffen: "Dem würde ich grundsätzlich zustimmen. Der Wert eines einfachen Zugangs zu einem sicheren, gut geprüften und wirksamen Impfstoff kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden."

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