AKH-Primar verteidigt Spätabtreibungen

Die Bundesregierung möchte Spätabtreibungen nach dem dritten Schwangerschaftsmonat zur Gänze verbieten. Davor warnt AKH-Primar Peter Husslein.
Während die österreichische Bundesregierung das neue Gesetz möglichst ohne viel Aufsehen beim Nationalrat durchbringen möchte, lenkt nun der Gynäkologe und Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Wiener AKH, Peter Husslein, die Aufmerksamkeit auf ebendiese Debatte. Indem er die jetzige Regelung verteidigt, spricht er sich für Spätabtreibungen und deren Akzeptanz aus.

Jetzige Regelung sichert Frauen Autonomie zu



In Österreich sind laut aktueller Regelung Schwangerschaftsabbrüche auch nach dem dritten Monat straflos, wenn "die ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt" sein wird. Entscheidet sich die Mutter dafür, die Schwangerschaft abzubrechen, weil sie befürchtet, mit der Situation nicht zurechtzukommen - oder nicht zu wollen - kann sie das tun.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. FPÖ und ÖVP wollen diese Möglichkeit abschaffen. Unter dem Titel #FairÄndern haben die Parteien eine Kampagne gestartet, die fordert, dass Spätabtreibungen komplett verboten werden. Für die Kampagne haben bereits über 50.000 Personen unterzeichnet, darunter etwa FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer, der ehemalige niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) und Kardinal Christoph Schönborn - "Heute" berichtete.

"In Wirklichkeit geht es darum, der Frau die Autonomie zu ermöglichen, wenn sie sagt: 'Mit dieser Situation kann ich einfach nicht umgehen'", so Husslein gegenüber "ZiB2". Bei einem überwiegenden Teil sei erst zu einem späteren Zeitpunkt feststellbar, ob das Baby gesund sei, oder nicht.

"Vervierfachung der Abbrüche"



Husslein warnt außerdem vor einem "Abbruchtourismus" ins Ausland - sollten Frauen hierzulande nicht mehr die Möglichkeit dazu haben, werden sie sich diese woanders suchen. In den Augen des Arztes wird sich außerdem die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche um ein Vielfaches erhöhen:

"Wenn diese Petition durchgeht und es nicht mehr möglich ist, einen Schwangerschaftsabbruch nach der 14. Woche zu machen, dann werden wahrscheinlich alle diese Kinder auf Verdacht hin abgebrochen werden, sodass es in Wirklichkeit zu einer – wahrscheinlich – Vervierfachung dieser Abbrüche kommen wird", so Husslein.

Im Mai soll im Parlament über das Thema diskutiert werden.



(rfr)

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