Weggeworfener Plastikmüll ist ein globales Mega-Problem. Allein unsere Meere bekommen jährlich knapp zehn Millionen Tonnen Plastikmüll ab. Davon sind acht Millionen Tonnen Makroplastik (Partikel größer als 25 mm) und 1,5 Millionen Tonnen Mikroplastik (Partikel unter 5 mm).
Die Kunststoffteilchen finden sich überall auf der Erde - auf Berggipfeln und im Meer, sogar in den Mägen und Muskelgeweben von Tieren und Menschen. Forscher warnen: Mikroplastik könne Krebs begünstigen und die Wirkung von Antibiotika beeinflussen.
Im Jahr 2020 wurden weltweit 430 Millionen Tonnen Plastikmüll erzeugt, von denen nicht einmal ein Viertel recycelt wurde. 62 Millionen Tonnen und damit 15 Prozent des gesamten Plastikmülls wurden komplett "falsch gehandhabt" - kamen also nie in Entsorgungs-, Recycling- oder Verbrennungsanlagen.
Bis zum Jahr 2050 könnte sich die Menge an falsch gehandhabtem Plastikmüll verdoppeln, schreiben Forscher im Fachjournal "Science". Der enorme Zuwachs sei vor allem darauf zurückzuführen, dass sich das Müllaufkommen insgesamt vergrößere.
"Es liegt nicht daran, dass wir immer schlechter werden in der Müllentsorgung, sondern eher daran, dass das Plastikmüllaufkommen das globale Müllsystem konsequent überfordern wird", so der Umweltwissenschaftler Roland Geyer von der Universität Kalifornien zum ORF.
„Müllentsorgung ist ein globales Problem, aber sie ist sehr ungleich verteilt.“Roland GeyerUniversität Kalifornien
Das Forschungsteam um Geyer ging bei seiner Modellrechnung von einem Szenario aus, in dem keine zusätzlichen Gegenmaßnahmen gesetzt wurden - einem "Business-as-usual"-Szenario, wie es der Umweltwissenschaftler nennt.
Der weltweite Plastik-Verbrauch werde bis zum Jahr 2050 um 37 Prozent auf knapp 750 Millionen Tonnen anwachsen, so die Berechnung. Die Menge des gesamten Plastikmülls würde im gleichen Zeitraum um 62 Prozent auf knapp 700 Millionen Tonnen steigen.
Rund 120 Millionen Tonnen davon könnten dann laut dem Modell in die Gruppe des falsch gehandhabten Plastikmülls fallen.
Das Forschungsteam erkannte große regionale Unterschiede. "Die Müllentsorgung ist ein globales Problem, aber sie ist sehr ungleich verteilt. Speziell der globale Süden leidet darunter", so Geyer.
Besonders in Ländern wie Indien, Nigeria und Indonesien werden große Mengen an Plastikmüll falsch entsorgt. Die Bewohner der betroffenen Länder hätten darauf aber meist keinen Einfluss: Es fehle oft an Infrastruktur, um den wachsenden Entsorgungsbedarf zu decken.
Dass falsch entsorgter Plastikmüll vor allem im globalen Süden ein Problem sei, ziehe den Rest der Welt nicht aus der Pflicht: "Viele Plastikprodukte kommen direkt oder indirekt aus dem globalen Norden. Insofern tragen wir Verantwortung für diesen Müll", sagt Geyer.
Die Forscher testeten auch, wie Gegenmaßnahmen die Modellrechnung verändern würden. Vor allem vier Aktionen zeigten Wirkung: mehr Recycling, Deckelung der Neuplastikherstellung, Investitionen in Müllmanagement und hohe Steuern auf Verpackungsmaterialien.
Den größten Effekt einer Einzelmaßnahme hätte eine 40-Prozent-Recyclingquote - dies würde die Menge des Plastikmülls halbieren. Zusammen mit den weiteren Maßnahmen ließe sich die Menge des schlecht gehandhabten Plastikmülls auf elf Millionen Tonnen reduzieren - das wären 91 Prozent weniger als im "business as usual"-Szenario.