Schwerer Unfall

Alkohol, Ecstasy: "Ich hätte fast 2 Freunde getötet"

2022 verursachte Pia K. einen Unfall – sie selbst und zwei Freunde wurden schwer verletzt. Statt in Haft landete sie in einem Präventionsprogramm.

Österreich Heute
Alkohol, Ecstasy: "Ich hätte fast 2 Freunde getötet"
Pia K. (22) und zwei ihrer Freunde wurden schwer verletzt. Heute hält sie Vorträge über ihren Alko-Unfall.
FF Schalchen, zVg

Am 23. Oktober 2022 änderte sich das Leben von Pia K. (22) "um 360 Grad", wie sie selbst meint. Die damals 20-Jährige hatte in der Nähe von Mattighofen (OÖ) eine Freundin (21) und einen Freund (19) zu Besuch: "Wir haben geredet und Bier getrunken, dann wollten wir noch in eine Bar im Ort gehen", erinnert sich die gebürtige Oberösterreicherin, die jetzt in Salzburg lebt, im Gespräch mit "Heute".

Das Trio fuhr mit dem roten Seat von Pia K. nach Mattighofen. Gegen Mitternacht machten sich die Freunde auf den Rückweg: "Wir haben gelacht und gesungen, sind ins Auto eingestiegen. Wir haben noch gescherzt, dass wir uns anschnallen sollten, obwohl ja eh noch nie jemand gestorben ist", berichtet die 22-Jährige. Pia K. und der 19-Jährige schnallten sich an, die 21-jährige Freundin jedoch nicht.

1,02 Promille Alkohol und Ecstasy im Blut

Obwohl sie den Weg "in- und auswendig kennt", wie Pia K. erklärt, kam es dann zum Unglück. In einer Rechtskurve kam sie von der Straße ab und prallte frontal gegen einen Baum: "Auf halbem Weg kam uns ein Auto entgegen. Die Scheinwerfer haben mich geblendet, ich habe die Straße nicht mehr gesehen und die Kontrolle über das Auto verloren."

Die Bilder des dramatischen Unfalles

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    Am 23. Oktober verursachte Pia K. (22) betrunken einen Autounfall.
    Am 23. Oktober verursachte Pia K. (22) betrunken einen Autounfall.
    FF Schalchen

    Pia K. und ihre beiden Freunde wurden schwer verletzt. Besonders schlimm erwischte es die 21-jährige Freundin, die mit voller Wucht in die Windschutzscheibe krachte: "Sie erlitt mehrere Knochenbrüche, mein Freund brach sich die Wirbelsäule. Ich selbst war mindestens eine Stunde lang bewusstlos, hatte zum Glück aber nur leichte innere Blutungen. Die Feuerwehr musste uns aus dem Wrack schneiden", meint Pia K., bei der 1,02 Promille Alkohol und Ecstasy im Blut nachgewiesen wurden.

    Prävention statt 3 Monate Haft

    Die drei Schwerverletzten kamen in unterschiedliche Krankenhäuser: "Ich habe zwei Tage lang geglaubt, dass ich meine Freunde umgebracht habe", erinnert sich Pia K. Im Februar 2023 musste sich die junge Oberösterreicherin vor Gericht verantworten, erhielt neun Monate teilbedingt, davon drei Monate Haft.

    Doch das Gericht schlug ihr statt der Haft das Präventionsprogramm "Close To" vor: Innerhalb eines Jahres sollte Pia K. in Fahrschulen Vorträge halten und dort Fahranfängern ihre Geschichte erzählen. Absolviert sie das achtstündige Programm erfolgreich, kann sie nachträglich eine Strafmilderung beantragen: "Wenn ich darf, werde ich auch danach noch freiwillig Vorträge halten. Es ist ein sehr emotionales Thema, und ich möchte jede Altersgruppe erreichen."

    Präventionsprogramm "Close to"

    Das Projekt setzt junge Täter im Alter von 15 bis 29 Jahren, die alkoholisiert einen Verkehrsunfall mit einem (schwer) Verletzten oder gar Toten verursacht haben, in der Präventionsarbeit vor Fahrschülern ein. 

    Richter und die Organisation Neustart können die Täter an die Vision5 OG in Graz verweisen. Das Programm umfasst acht Stunden und kann eine Strafmilderung bewirken. Laut dem Leiter des Projektes, Mario Brnic, wurden bereits 5.200 Einheiten absolviert und damit 161.410 Fahranfänger erreicht. Interessierte Freiwillige können sich unter [email protected] melden.

    Es ist wichtig, ganz offen darüber zu sprechen. Ich hätte schließlich eine ganze Familie auslöschen können – dessen muss man sich bewusst sein
    Pia K.
    Alko-Lenkerin

    Für die 22-Jährige waren die Vorträge erst eine Überwindung, jetzt ist sie Feuer und Flamme dafür: "Ich bringe Fahranfängern mein Schicksal näher, um ihnen die Augen zu öffnen. Von zehn Personen in meinem Alter sagen sicher sieben, dass sie schon betrunken mit dem Auto gefahren sind. Es ist wichtig, ganz offen darüber zu sprechen. Ich hätte schließlich eine ganze Familie auslöschen können – dessen muss man sich bewusst sein", reflektiert die 22-Jährige.

    Dass die junge Frau heute so offen über den von ihr verursachten Alko-Unfall sprechen kann, war nicht immer so. Mühsam musste sich die 22-Jährige zurück in den Alltag kämpfen: "Nach dem Unfall habe ich viel Lebensfreude verloren. Ich dachte, ich habe es nicht verdient, glücklich zu sein oder Spaß zu haben. Schließlich habe ich einen Entzug gemacht und mich in psychiatrische Behandlung begeben", bekennt Pia K.

    Ich werde mich nie wieder alkoholisiert in ein Auto setzen und fahren – auch nicht mit nur einem Bier intus!
    Pia K.
    hält nun Vorträge über ihren Unfall

    Doch die junge Oberösterreicherin hat ihre Lebensfreude endlich wieder gefunden und absolviert derzeit eine Ausbildung im Hotel- und Gastgewerbe: "Ich habe jetzt auch wieder meinen Führerschein zurück. Seit dem Unfall bin ich nicht mehr hinter dem Lenkrad gesessen. Eines ist sicher: Ich werde mich nie wieder alkoholisiert in ein Auto setzen und fahren – auch nicht mit nur einem Bier intus!"

    Auf den Punkt gebracht

    • Pia verursachte 2022 einen schweren Unfall unter Alkoholeinfluss, bei dem zwei Freunde schwer verletzt wurden
    • Statt im Gefängnis zu landen, spricht sie nun als Teil eines Präventionsprogramms in Fahrschulen offen über ihre Erfahrungen, um junge Fahrer zu sensibilisieren und ihnen die Konsequenzen von Alkohol am Steuer bewusst zu machen
    • Trotz persönlicher Herausforderungen hat Pia ihre Lebensfreude wiedergefunden und schwört, nie wieder betrunken Auto zu fahren
    red
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