"Meine Stimme wird nie mehr so klingen wie früher"

Hans Peter Doskozil (SPÖ) ist der Landeshauptmann des Burgenlands.
Hans Peter Doskozil (SPÖ) ist der Landeshauptmann des Burgenlands.HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com
In einem Interview stellt Doskozil sein Verhältnis zu Kurz klar und verrät seinen neuen Hochzeitstermin und ob es bald ein "Dosko"-Baby geben wird.

Hans Peter Doskozil hat nicht nur seinen politischen Gegnern sondern auch den Wohlstandspfunden den Kampf angesagt. Burgenlands Landeshauptmann hat kräftig abgenommen, 15 Kilo sind schon von den Hüften gepurzelt. "Er ist kaum wiederzuerkennen", resümiert "Krone"-Reporterin Conny Bischofberger in ihrem Sonntagsinterview mit dem SPÖ-Granden an den Ufern des Neusiedlersees. 

"Eigentlich habe ich das meiner Lebensgefährtin zu verdanken. Sie hat alle möglichen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und achtet deshalb sehr auf ihre Ernährung, isst nur gluten- und laktosefrei. Ich hab' da mitgemacht und siehe da, 15 Kilo sind langsam weggeschmolzen", erklärt Doskozil seinen Abnehmerfolg.

"Man muss die Probleme eben anpacken"

Weniger von Erfolg gekrönt, ist derzeit aber die Linie seiner Partei. Sowohl bei der Wahl in Oberösterreich als auch in Graz konnte die SPÖ nicht bei den Bürgern punkten. "Graz hat gezeigt, dass die SPÖ in der Sozialpolitik nicht mehr der Schmied ist, sondern nur noch der Schmiedl. Dass die KPÖ dort glaubwürdigere Politik macht, weil sie sich um die Anliegen der Menschen wirklich kümmert", kommentiert er den Sieg der dortigen KPÖ. 

"Man muss die Probleme eben anpacken und nicht nur immer plakativ in den Raum stellen und dann passiert nichts mehr. Damit verliert man in der Politik Glaubwürdigkeit und am Ende des Tages auch Wahlen."

So soll SPÖ wieder auf Schiene kommen

Doskozil hat auch einige Ideen, was die Bundes-SPÖ besser machen könnte. Als Beispiel nennt er das Thema Wohnen: "Da reicht es eben nicht zu sagen, Wohnen muss billiger werden, wir kürzen jetzt die Mehrwertsteuer. Dieses Gießkannenprinzip macht Wohnen noch nicht billiger." Stattdessen müsse ein Ausgleichsfond nach burgenländischen Beispiel auf Bundesebene geschaffen werden.

Auch das Modell der Genossenschaftswohnungen gehöre überholt. "Dafür ändern wir im Burgenland demnächst die Förderrichtlinien. Mit jeder ersten Mietzahlung wird die Familie anteilig Eigentümer werden." Und: Er will eine Kostengrenze bei Grundstücken einführen, ein Entscheid dazu sei beim Verfassungsgerichtshof anhängig.

"Muss sich die Probleme der Menschen anhören"

Die Sozialdemokratie müsse auch wieder die Nähe zu den Bürgern suchen. Durch die sozialen Medien habe sich die Politik immer weiter von den Menschen entfernt. "Den Parteikassier, der früher von Tür zu Tür ging und sich die Sorgen der Menschen angehört hat, den gibt es praktisch nicht mehr", erklärt der Landesschef. Er selbst halte deshalb Sprechstunden ab und reise durchs Land: "Da muss man sich dann auch die Probleme der Menschen anhören und wirklich etwas für sie tun."

"Dosko" über Kanzler Kurz

Sein Verhältnis zu Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beschreibt Doskozil als "ewiges Auf und Ab": "Wir haben uns unlängst wieder getroffen und werden uns demnächst im Burgenland treffen, momentan geht es ein bisschen bergauf – bei gravierenden politischen Unterschieden natürlich."

Eine türkis-rote Koalition im Nationalrat sieht "Dosko", den die Volkspartei hinter den Kulissen lieber an der Parteispitze sehen soll, nicht kommen. "Wenn [Kurz] der Sozialdemokratie ausrichtet, wer sein Wunsch-Koalitionspartner wäre, ist anzunehmen, dass er diese Koalition eher verhindern als anstreben will. Ich kann mir im Burgenland auch nicht wünschen, wer mein Gegenüber bei den anderen Parteien sein soll".

Wechsel an Parteispitze?

Auch hat der Landeschef, der erst im Jänner 2020 in seinem Amt bestätigt wurde, (derzeit) keine Ambitionen das Ruder der Sozialdemokratie von Pamela Rendi-Wagner zu übernehmen: "Ich bin für fünf Jahre gewählt und werde dieses Amt auch fünf Jahre ausüben, das habe ich immer gesagt." Auf das danach, will er sich nicht festlegen: "Politik ist schnelllebig. Ich traue mich nicht zu sagen, was in sechs, sieben, acht Jahren ist".

Dennoch lässt der frühere Polizeibeamte im "Krone"-Interview durchblicken, dass er durchaus mit dem Chefsessel liebäugelt: "Wenn man von Herzen Sozialdemokrat ist und irgendwann – da müssen dann aber viele Faktoren zusammenspielen – die Möglichkeit kommt und alles passt, dann würde jeder Sozialdemokrat sagen: 'Ich will diese Partei auch an der Spitze führen.' Das tragen wir alle vor uns her, das ist unser aller Ziel. Und es ist sicher auch eine der schönsten Aufgaben."

Stimmband-OP gut überstanden

Gesundheitlich geht es dem 51-Jährigen nach seinen Stimmbandoperationen und auch einer Corona-Infektion wieder gut. Auch was seine Stimme betrifft, ist er "sehr zufrieden". "Sie wird nie mehr so klingen wie früher, das ist klar, aber ich lerne täglich aufs Neue, damit zu leben", sagt er, betont aber: "Es gibt viele Menschen, die mit einer Beeinträchtigung leben müssen, ich bin da nicht der Einzige."

Hochzeitstermin fix

Am Ende wurde das Gespräch noch einmal ganz privat. Doskozil verriet, dass nun endlich ein Hochzeitstermin fix ist, nachdem die Feier wegen Corona verschoben werden musste: "Geheiratet wird im September 2022 auf dem Weingut Scheiblhofer."

Kommt noch ein Dosko-Baby?

Mit seinen beiden erwachsenen Kindern sei er bereits "sehr glücklich", weitere werde es aber im Hause Doskozil wohl nicht werden. "Meine Lebenspartnerin hat, so viel ich weiß, auch keinen Kinderwunsch. Daher wird es keinen Nachwuchs mehr geben", sagt der Familienvater. Nachsatz: "Stand heute. Denn einen kleinen Ausweg soll man sich immer offen lassen."

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