Als der Kanzler meinen Balkan-Traum platzen ließ

In diese Hütte hätte es gehen sollen - daraus wird jetzt leider nichts.
In diese Hütte hätte es gehen sollen - daraus wird jetzt leider nichts.picturedesk/airbnb/privat
Mein Plan war es, heuer in meine Heimat zu reisen. Und lange Zeit sah es auch sehr gut aus. Aber es kam dann ganz anders.

Freitag, 12.44 Uhr: Ich stand gerade in der Kantine und wartete darauf, dass der Koch mir einen Teller mit der Curry-Süßkartoffelpfanne voll macht, als mein Handy läutete. Meine Freundin. Bevor ich abhob, ging ich nochmal schnell alle möglichen Fehler durch, die ich in den vergangenen Stunden hätte machen können und bereitete schon eine Entschuldigung vor. Ich setzte also meine reumütige Stimme auf: "Hallo? Was gibt's?"

Sie legte sofort los: "Und was machen wir jetzt?" Ich verstand nicht ganz und erklärte ihr, dass ich gleich was essen werden würde. "Nein, wegen unserem Urlaub!", sie wurde etwas lauter aber ich begriff noch immer nicht. Oder ich wollte nicht begreifen. Weil ich hatte schon eine unschöne Vermutung.

Alles bezahlt - alles umsonst

Sie erklärte mir, dass genau in diesem Moment eine Reisewarnung nach Kroatien ausgesprochen wurde. Ein Schock für mich. Tatsächlich. Denn die Koffer waren bereits gepackt und sogar im Auto verfrachtet. Wir wären in wenigen Stunden in den Wagen gestiegen und Richtung Süden gefahren. In mein Geburtsland. 

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Mir gingen auch direkt die drei Bleiben durch den Kopf, die allesamt schon bezahlt wurden. Zwei Wochen lang wären wir durch Kroatien gefahren. Kein klassischer Strand- oder gar ein Party-Urlaub. Wir wären in kleine Hütten und Häuschen abseits der Touristen-Hotspots gefahren. 

Gedränge statt Idylle

Klar, ich verstehe, dass man da keinen Unterschied machen kann, wer wo hinfährt. Andererseits fehlt mir trotzdem ein wenig das Verständnis für diese Maßnahme. Und zwar aus mehreren Gründen: Die Entscheidung kam ohne große Vorwarnung mitten in der Urlaubssaison. Wir sind also garantiert nicht die einzigen Betroffenen, die an diesem Wochenende losgefahren wären. Wir alle dürfen uns jetzt damit herumplagen, das Geld zurückzuholen oder den Urlaub irgendwie zu verschieben.

Zusätzlich haben wir jetzt trotzdem zwei Wochen Urlaub, die wir bestmöglich genießen möchten. Da bleibt uns fast nichts anderes über als irgendwo in Österreich an einen See zu fahren. Also mit Sicherheit irgendwo hin, wo es mehr als überfüllt sein wird. Denn zu den Urlaubern, die schon ohnehin dort wären, kommen jetzt noch jene hinzu, deren Kroatien-Traum plötzlich zerplatzte.

Außerdem sehe ich zeitgleich Fotos und Videos aus Ortschaften wie Velden oder St. Wolfgang, wo alles mögliche eingehalten wird, aber kein Abstand oder die Maskenpflicht. Klar frage ich mich da, weshalb man am Wörthersee ohne jegliche Konsequenzen übereinander herfallen darf, aber vor einer Reise in eine abgelegene Hütte in Kroatien wird gewarnt.   

Naja, am Ende bleibt mir nichts anderes übrig, außer die Reisewarnung hinzunehmen und diese zu akzeptieren. Und die Hoffnung, dass ich meiner Heimat vielleicht im nächsten Jahr einen Besuch abstatten darf. Und jetzt: Auf ins Getümmel am See...

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BalkanblogKroatienSebastian Kurz

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