"Als Mädchen war meine große Liebe die Buhlschaft"

Buhlschaft mit Superhelden-Cape: Verena Altenberger bei der "Jedermann"-Kostümprobe.
Buhlschaft mit Superhelden-Cape: Verena Altenberger bei der "Jedermann"-Kostümprobe.Franz Neumayr
Am Samstag feiert "Jedermann" Premiere bei den Salzburger Festspielen. Als Buhlschaft steht Verena Altenberger im Superhelden-Cape auf der Bühne.

Es ist eine eher ungewöhnliche Inszenierung: "Jedermann" Lars Eidinger trägt Stöckelschuhe und Fatsuit, Buhlschaft Verena Altenberger einen roten Chiffon-Hosenanzug und Cape. 6.000 bis 7.000 Stunden wurde an den Kostümen, die heuer erstmals "genderfluid" sind (sich also zwischen Geschlechtern bewegen), genäht. Warum sich die 33-Jährige darin wie eine Heldin fühlt, erzählt sie im "Heute"-Interview.

Über genderfluide Kostüme

"Wenn mich ein Festspielbesucher oder eine Festspielbesucherin fragen würde, warum in dem Stück ein Mann einen Rock trägt, würde ich sagen: 'Egal, schaut doch super aus.' Ich finde meine Kostüme sehr schön und fühle mich in beiden wohl. Mir ist es wichtig, dass mich Kostüme beschützen und nicht gegen mich spielen. Mit meinem Cape fühle ich mich wie eine Superheldin."

Hassnachrichten

"Von 100 Hassnachrichten sind etwa 98 von Männern. Die wenigen, die dann einmal von Frauen kommen, tun aber umso mehr weh."

Die Buhlschaft

"Wenn man in Salzburg aufgewachsen ist, hat man den 'Jedermann' in der DNA. Als Mädchen war meine große Liebe die Buhlschaft. Von dieser Frauenrolle habe ich schon immer geträumt."

Feminismus

"Es gibt da einen Spruch von Kabarettistin Patti Basler: 'Ich bin Frau und Egoistin, das ergibt dann Feministin.' Für mich führt kein Weg am Feminismus vorbei. Je größer die Bühne, desto größer die Verantwortung. Ich verstehe auch nicht so richtig, wie man als Politikerin oder Künstlerin nicht feministisch sein kann und sich nicht für Frauen einsetzen will. Für mich geht Feminismus Hand in Hand mit Humanismus. Gerechtigkeit ist doch das Wichtigste für unsere Gesellschaft."

Soziale Medien

"In den sozialen Medien habe ich mir eine interessante Gesellschaft aufgebaut. Ich bekomme dort Anregungen und werde von tollen Menschen inspiriert. Es ist aber auch wichtig, seine Kräfte einzuteilen und auch auf Abstand zu gehen."

Ihre Haare

"Als ich mir die Haare kurz geschnitten habe, habe ich in ein Wespennest gestochen. Viele Männer waren ja richtig beleidigt. Ich finde, dass das wirklich keine große Sache ist. Es sind doch nur Haare."

Vorbilder

"Da gibt es viele. Wenn es um die Anlage der Frau geht, die sich für sich und andere stark macht, sind es meine Mutter und Großmutter. Die haben mir das vorgelebt."

Premierenabend

"Herzklopfen und weiche Knie wird es bei der Premiere sicher geben. Ich freue mich aber, nach den Proben endlich zeigen zu können, was wir erfunden haben. Samstag werden mein Vater, meine Schwester und drei meiner besten Freundinnen im Publikum sitzen."

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