Alte Boeing 707 ist heute ein Restaurant

Zwillingsbrüder Ata und Chamis al-Sairafi wurden vor rund 30 Jahren auf die alte Boeing 707 aufmerksam. Jetzt haben sie ihr neues Leben eingehaucht und eröffnen bald das West Bank Airplane Cafe.
Zwillingsbrüder Ata und Chamis al-Sairafi wurden vor rund 30 Jahren auf die alte Boeing 707 aufmerksam. Jetzt haben sie ihr neues Leben eingehaucht und eröffnen bald das West Bank Airplane Cafe.Oded Balilty / AP / picturedesk.com
Warum in einem Flugzeug die Welt bereisen, wenn man damit auch speisen kann? Bald eröffnet das West Bank Airplane Cafe in einer alten Boeing 707.

Die heute 60-jährigen Zwillingsbrüder Ata und Chamis al-Sairafi wuchsen im Flüchtlingslager Askarin der palästinensischen Stadt Nablus auf. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie jahrelang mit dem Ankauf und Recycling von Altmetall. So kam es auch, dass sie vor rund 30 Jahren von einer ausgedienten Boeing 707 erfuhren, die in Tiberias am See Genezareth in Israel ungenutzt stand. Ein Traum wahr geboren: Die Brüder wollten es kaufen und daraus ein Restaurant machen. Und damit begann eine durchaus beschwerliche Reise.

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Im Jahr 1999 kauften sie den Blechhaufen, doch für den Transport benötigte es noch eine Genehmigung des israelischen Flughafens Ben Gurion, Spezialfahrzeuge und Straßensperren. "Es war ziemlich kompliziert, selbst Bäume mussten gefällt werden, damit das Flugzeug durchkam", erinnert sich al-Sairafi gegenüber Medien.

Aufstand und Pandemie sorgten für Turbulenzen

Dann stoppte der zweite Palästinenseraufstand Intifada den Traum des Flugzeugrestaurants, gefolgt von der Corona-Pandemie. Doch jetzt ist es endlich soweit: Die Brüder haben den Flieger einen neuen Anstrich verpasst, den Innenbereich ausgekleidet und warten nur noch auf die offizielle Eröffnung. Gekostet hat das Herzensprojekt den Zwillingsbrüdern bisher  übrigens zwei Millionen Schekel, umgerechnet rund 530.000 Euro.

Doch schon bald werden coronakonform 35 Personen auf weißen Plastikstühlen an roten Plastiktischen Platz nehmen dürfen. Gekocht wird übrigens am Boden und die Gerichte dann per Lift nach oben befördert.

Und schon jetzt werden die ersten Besucher vor dem Flugzeug mit Kaffee, Tee und Softdrinks versorgt. Auch als Shisha-Bar dient das Areal mit seinen Tischgruppen unter Sonnenschirmen und Blick auf die Boeing, deren Flügel über den Gästen aufragen.

Attraktion für Einheimisch

Denn für die Menschen in Nablus, die in ihrer Heimat keinen eigenen Flughafen haben, ist das Lokal schon jetzt eine Attraktion. "Die Leute wollen Selfies vor oder im Flugzeug machen", erzählt Chamiss al-Sairafi. "Und auch bei Hochzeitspaaren ist das Flugzeug als Hintergrund für die Hochzeitsfotosbeliebt." Genau diese Leute sollen das ungewöhnliche Restaurant auch am Leben erhalten. Schließlich ist das Westjordanland nicht gerade ein internationaler Tourismus-Spot.

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