Oberösterreich

Amboss-Dieb brachte mir eine Kiste Bier und Most

Dem gelernten Kunstschmied Walter Gugglberger (69) wurde am Weihnachtsmarkt in Steyr der Amboss gestohlen. Das war vor 10 Jahren. Nun brachte der Dieb das Stück zurück, als Entschuldigung gab es Flüssiges.
Claudia Ruzmarinovic
11.05.2020, 16:16

"Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Dass das schon wieder 10 Jahre her ist, und ich den Amboss nochmal zurückbekomme, hätt' ich nicht gedacht", sagt Walter Gugglberger im Gespräch mit "Heute". Seit 15 Jahren steht der 69-Jährige aus Losenstein (Bez. Steyr-Land) jedes Jahr von Mitte November bis Ende Dezember am Weihnachtsmarkt. Kinder können bei ihm selbst einen Nagel anfertigen und bekommen gezeigt, wie man Hufeisen und Glücksbringer wie zum Beispiel Kleeblätter herstellt. 

Auch 2010 stand der bereits pensionierte Kunstschmied am Steyrer Stadtplatz, um den Marktbesuchern sein Handwerk zu zeigen. Doch am 23. Dezember war dann etwas anders: Gugglberger bemerkte schnell, dass da an seinem Arbeitsplatz was fehlte: der Amboss! (Anm: Er ist notwendig, um das Eisen bearbeiten und umformen zu können.) 

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Dieb plagte das schlechte Gewissen

"Den Diebstahl hab' ich natürlich bei der Polizei angezeigt, dass die nach 10 Jahren deswegen nochmal bei mir anruft, hätt' ich nicht mehr geglaubt", so der 69-Jährige gegenüber "Heute". Bereits Ende April soll sich der damalige Dieb aus heiterem Himmel bei der Polizei gemeldet haben. Den heute 32-Jährigen plagte schon so lange das schlechte Gewissen, er wollte den Amboss an seinen Besitzer zurückgeben (wir berichteten). 

Samstagvormittag kam es schließlich zur vereinbarten Übergabe. "Er hat mir den Amboss im Auto daheim vorbeigebracht, gemeinsam haben wir ihn dann ausgeladen. Dabei hat er mir erzählt, dass es ihm wahnsinnig leid tue, dass er damals rauschig war und alle lustig drauf. Den Amboss dürfte er wohl in der Nacht mit Freunden - er wiegt an die 100 Kilo - über den ganzen Stadtplatz bis zur Kirche getragen haben. Dort stand dann sein Auto ", erzählt Gugglberger.  

Das Diebesgut hat der 32-Jährige dann bis zuletzt in seiner Garage versteckt. Gut schlafen konnte er mit dem Geheimnis über die Jahre aber nicht, offenbar wurde der Druck jetzt zu groß und er stellte sich selbst bei der Polizei.  

Wiedergutmachung in flüssiger Form 

"Ich war mir damals eigentlich sicher, dass diejenigen, die den Amboss gestohlen hatten, ihn verkaufen wollten. Man kriegt locker 200 bis 300 Euro dafür. Dass das Ganze aber eine B'soffene Gschichte ist, hätt' ich nicht gedacht", so der Losensteiner. 

Und wie ist man verblieben? Ist der 32-Jährige jetzt von seinen Altlasten freigesprochen? "Bevor er wieder gefahren ist, hat er mich noch gefragt was er mir für die Annehmlichkeiten schuldig ist. Ich hab' gesagt, wenn er mir eine Kiste Bier vorbeibringt passt das schon wieder. Er hat dann noch zwei Flaschen Most draufgelegt", sagt Gugglberger und lacht. 

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