AMS-Boss legt vor:

"Eine Wiener Flüchtlingsfamilie für jeden Kärntner Ort"

364.000 Arbeitslose, aber rund 160.000 offene Jobs: AMS-Chef Johannes Kopf erklärt, warum Österreich trotzdem die Fachkräfte fehlen.
Newsdesk Heute
10.08.2026, 22:19
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Österreich steckt in einem Arbeitsmarkt-Dilemma: Einerseits sind 364.000 Menschen arbeitslos, andererseits klagen Unternehmen weiter über fehlende Fachkräfte. Die Wirtschaftskammer beziffert den Fachkräftemangel mit rund 150.000 Personen.

Doch warum können die offenen Stellen nicht einfach mit Arbeitslosen besetzt werden? AMS-Chef Johannes Kopf hält diese Rechnung für zu simpel, wie er in einem aktuellen Interview mit den "Salzburger Nachrichten" zu Protokoll gibt.

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Ende Juli waren beim AMS 79.770 offene Stellen gemeldet. Kopf geht davon aus, dass ungefähr noch einmal so viele nicht beim AMS aufscheinen. Damit wären österreichweit rund 160.000 Jobs zu besetzen.

"Arbeitssuchende und Stellen passen nicht immer gut zusammen", erklärt Kopf das eigentliche Problem. Dabei gebe es vor allem zwei große Hürden: Wohnort und Qualifikation.

Jobs hier, Arbeitslose dort

Beim regionalen Ungleichgewicht zeigt sich ein deutliches Bild. Viele offene Stellen gibt es laut Kopf in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Teilen der Steiermark. Viele Arbeitssuchende leben hingegen in Wien. Die Folgen sind enorm: "Daher ist die Arbeitslosenquote in Wien aktuell drei Mal so hoch wie in Salzburg", so der AMS-Chef.

Kopf hatte deshalb schon früher eine befristete Residenzpflicht für Flüchtlinge ins Spiel gebracht. Besonders Kärnten werde durch die demografische Entwicklung stark vom Arbeitskräftemangel getroffen.

Sein zugespitzter Vorschlag: "Eine Wiener Flüchtlingsfamilie für jede Kärntner Gemeinde. Da wäre auch die Integration kein Problem."

Jeder Zweite nur mit Pflichtschule

Noch schwerer wiegt allerdings die fehlende Qualifikation. Unternehmen suchen Fachkräfte, während laut Kopf jeder zweite Arbeitssuchende beim AMS lediglich einen Pflichtschulabschluss hat.

Dazu kommt: Selbst vorhandene Ausbildungen passen nicht zwingend zu den Qualifikationen, die Unternehmen gerade benötigen. "Dort, wo Fachkräfte fehlen, hilft nur Qualifizierung", sagt Kopf.

Die Lage hat sich durch drei Jahre schwacher Wirtschaft allerdings etwas entspannt. Für Unternehmen sei es derzeit wieder deutlich einfacher, Personal zu finden als noch 2022.

280.000 Arbeitskräfte weniger in Bundesländern

Langfristig droht Österreich aber ein viel größeres Problem. Bis 2050 könnten dem Arbeitsmarkt laut Kopf 120.000 Erwerbspersonen fehlen. Diese Zahl verschleiert allerdings ein massives regionales Gefälle.

Denn für Wien erwartet Kopf im selben Zeitraum 160.000 zusätzliche Arbeitskräfte. Umgekehrt bedeutet das: In den übrigen Bundesländern wären es unterm Strich 280.000 weniger.

Die oft genannte Rot-Weiß-Rot-Karte werde dieses Problem alleine kaum lösen. Im langfristigen Durchschnitt kämen darüber rund 3.000 Personen pro Jahr ins Land, der Netto-Zuwachs liege lediglich bei etwa 1.500. Rund 40 Prozent davon entfielen zudem auf Wien.

"Wir konkurrieren mit den USA, Japan, Großbritannien, mit Ländern, die völlig andere Ressourcen haben und wo man Englisch redet und nicht Deutsch", warnt Kopf.

Flüchtlinge als Arbeitskräfte

Deshalb will der AMS-Chef stärker auf Menschen setzen, die bereits in Österreich leben. Rund 40.000 Flüchtlinge seien beim AMS registriert, mehr als ein Viertel davon jünger als 25 Jahre.

Kopf kritisiert, dass bei der Zuwanderungsdebatte mit zweierlei Maß gemessen werde. Bei aus dem Ausland angeworbenen Fachkräften werde über Arbeitskräfte gesprochen, bei Flüchtlingen dagegen fast ausschließlich über Integration.

Vor allem bei jungen Flüchtlingen sieht er großes Potenzial. Mindestens die Hälfte könnte seiner Einschätzung nach einen Lehrabschluss schaffen.

Bei Erwachsenen müsse genauer hingeschaut werden. Wer etwa 15 Jahre lang in Syrien Autos repariert habe, aber keinen formalen Abschluss vorweisen könne, könne zwar rasch für einfache Tätigkeiten vermittelt werden. Sinnvoller sei es aber, Deutschkenntnisse auszubauen und einen Lehrabschluss nachzuholen.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 10.08.2026, 22:48, 10.08.2026, 22:19