Kann ich trotzdem beim Halbmarathon mitlaufen?

Für einen Läufer gibt es nichts Schlimmeres, als durch Verletzungen oder Krankheiten am Laufen gehindert zu werden.
Ist man erst einmal ordentlich angefixt vom Lauffieber, dann ist es echt schwer, nicht nicht rennen zu gehen. Auch wenn sich das für Außenstehende vielleicht komisch anhören mag, aber zur absoluten Glückseligkeit gehören dann regelmäßig abgespulte Kilometer. Anderenfalls ist man mit sich selber und der Welt nicht ganz im Reinen.

Umso schmerzhafter ist es also, wenn eine Verletzung oder eine Krankheit dafür sorgen, dass man nicht bei jedem noch so scheußlichen Wetter eine Runde drehen darf. Was Krankheiten anbelangt, bin ich glücklicherweise mit einem relativ guten Immunsystem ausgestattet (*aufholzklopf*).

Knöchel oder Knie geben seitdem aus reiner Dankbarkeit Ruhe und machen keinerlei Probleme mehr.


Bis auf einen kleinen Schnupfen einmal im Jahr haut meinen Körper nicht wirklich was aus der Bahn. Die Krankenstandtage belaufen sich nach knapp sieben Jahren in der selben Firma auf heiße zwölf. (rund die Hälfte davon gehen allerdings auf das Konto von Zahnschmerzen). Also kann ich hier nicht wirklich irgendwelche traurigen Geschichten erzählen.

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Ein wenig anders verhält es sich da schon bei Verletzungen. Richtig große wie ein Bänder- oder ein Achillessehnenriss sind mir dankenswerter Weise bislang erspart geblieben. Doch in meiner bisherigen Karriere als Hobbysportler gab es drei Wehwehs, die mich beim Laufen stoppten. Zwei davon waren direkte Folgen meiner Lieblingsfreizeitbeschäftigung.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, absolvierte ich meine ersten zaghaften Versuche ohne Knowhow über das richtige Schuhwerk. Mit ungeeigneter Ausrüstungen an den Füßen spielten meine Knöchel und meine Knie nicht lange mit. Die beleidigten Gelenke sorgten einerseits für einen einwöchigen Laufstop, andererseits für den wichtigen Umstieg auf die zu meinem Laufstil passenden Schuhe. Knöchel oder Knie geben seitdem aus reiner Dankbarkeit Ruhe und machen keinerlei Probleme mehr (*wiederaufholzklopf*).

Doch es gibt ja noch andere Gelenke, die beim Laufen belastet werden. Und die dann eventuell dagegen rebellieren. Die Hüften. Im Jahr 2015 wollte ich es wissen und mich halbwegs professionell auf den Halbmarathon vorbereiten, um das mir selber gesteckte Ziel von einer Zeit unter 2 Stunden verwirklichen zu können. Schon im Dezember davor startete ich deswegen mit einem extra dafür ausgearbeiteten Trainingsplan, der ziemlich straff und eindeutig war.

Doch mit Tränen in den Augen musste ich mir eingestehen, dass es diesmal nicht funktioniert.


Lange Läufe, schnelle Läufe, Intervalle - alles war dabei. Das Training war anstrengend und intensiv, aber der Fortschritt stellte sich rasch ein. Speziell die Intervalle erledigte ich fast ausschließlich auf dem Laufband, weil ich in freier Wildbahn nicht so der gute Tempohalter bin. So kam ich im März 2015 auf 162,8 Trainingskilometer. Rund 60 Kilometer mehr als meine bisherige Monatsbestmarke.

Und das war ein kleines bisschen zu viel für mich. Beide Hüftgelenke kollabierten und machten durch starke stechende Schmerzen das Gehen schwer, ein Laufen komplett unmöglich. Und zwar für die nächsten sechs Wochen. Zwölf Tage nach dem Auftreten der Schmerzen stand ich trotzdem mit Laufgewand samt Startnummer im Schatten der UNO-City, weil ich es irgendwie nicht wahrhaben wollte, nicht am Halbmarathon teilnehmen zu können. Doch mit Tränen in den Augen musste ich mir eingestehen, dass es diesmal nicht funktioniert.

Drei Monate später endlich einen MRT-Termin


Einer nicht vorhandenen Zusatzversicherung sei Dank, dass ich drei Monate später endlich einen MRT-Termin wahrnehmen konnte, bei dem festgestellt wurde, was denn genau los war. Dank minimaler Stressfrakturen, vermutlich wegen der Überanstrengung, kam es in beiden Schenkelhälsen zur Bildung von Knochenmarködemen. Zu diesem Zeitpunkt waren die aber so weit abgeheilt, dass das Laufen schon wieder möglich war.

Entschädigt wurde ich für den verpassten VCM Ende August beim Kärnten Läuft Halbmarathon am Wörthersee. Doch bis heute ist ab und zu ein leichtes Zwicken im rechten Hüftgelenk eine Erinnerung daran, es ja nicht zu übertreiben mit dem Laufen. Denn 20 bis 30 gemütliche Kilometer in der Woche sind besser als gar keine Kilometer.

Auch 2018 musste ich beim VCM pausieren. Diesmal war die Vorbereitung toll, ich war froh, dass es keinerlei Wehwehchen oder sonstigen Schwierigkeiten gab. Einem tollen Lauf am 22. April stand also nichts im Weg. Wäre da nicht der 17. April gewesen. Da wollte ich am Nachmittag noch eine Kleinigkeit in der unmittelbaren Umgebung erledigen. Also stieg ich aufs Fahrrad und radelte los.

Rolle vorwärts über den Lenker mit anschließender Punktlandung auf dem Hinterkopf


Beim Weg zurück zur Wohnung wurde mein Vorderrad dank einer klitzekleinen Unachtsamkeit von den Gleisen der 49er-Bim kurz vor der Kreuzung Siebensterngasse/Neubaugasse gefressen. Rückblickend erlebe ich die Rolle vorwärts über den Lenker mit anschließender Punktlandung mit dem Hinterkopf (weil, wer braucht schon einen Helm wenn man nur kurz was erledigen will) auf der Betonplatte zwischen den Stahlgleisen in Superzeitlupe.

Ich stand nach dem Unfall blitzartig wieder auf den Beinen. Geistesgegenwärtig kontrollierte ich gleich Arme und Beine nach Verletzungen. Jawohl, dachte ich mir, es ist nix passiert. Drei Leute, die meinen Salto als Zeugen miterlebt hatten, kamen sofort auf mich zu, um sich um mich zu kümmern.

Ich bedankte mich gleich bei der jungen Radfahrerin, die ich kurz vor dem Crash überholt hatte, bei der älteren Dame mit dem Malteser und bei dem Mitarbeiter der Wiener Linien, der dort gerade Messarbeiten durchführte. "Es ist alles in Ordnung. Danke", sagte ich noch im Schock. "Nix is in Ordnung. Du setzt dich besser hin", hielt mir der freundliche Straßenbahner mit dem dicken Schnauzbart und dem stolzen Bauch unter seinem hellblauen Hemd entgegen und deutete auf meinen Kopf. Den hatte ich noch nicht kontrolliert. Nach einem kurzen Griff nach oben blickte ich auf eine komplett blutverschmierte Hand.

"Fuck", dachte ich und setzte mich also hin. Kurze Zeit später kam auch schon ein Rettungswagen. Die beiden Sanis nahmen sich sofort um meine Platzwunde an, die später im AKH nach einer Wartezeit von drei Stunden schließlich mit vier Stichen genäht wurde. Ich hatte Glück im Unglück, denn bei dem Sturz hätte viel Schlimmeres passieren können. Meine erste Frage, die ich den Mitarbeitern der Wiener Berufsrettung im Krankenwagen stellte war trotzdem: "Kann ich am Sonntag eh beim Halbmarathon mitlaufen". Konnte ich natürlich nicht.

Alle Infos zum Vienna City Marathon 2019 sowie der Winterlauf-Serie findet man auf der offiziellen Homepage der Veranstaltung.

Die schrägsten Marathon-Outfits von Wien

(baf)

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