"Angehörige graben selbst nach möglichen Opfern"

Ein Feuerwehrmann stand in Rheinland-Pfalz im Einsatz. Auf der Suche nach Vermissten entdeckte er Menschen, die in Aufzügen und Tiefgaragen ertranken.

Die Wassermassen sind an vielen von den Überschwemmungen betroffenen Gebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bereits zurückgegangen, doch der Schlamm bedeckt immer noch alles. Ein deutscher Feuerwehrmann kritisiert das Krisenmanagement bei der Suche nach Verschütteten: "Wir Einsatzkräfte stehen stundenlang in Bereitstellungsräumen und werden nicht angefordert", sagt der Mann zur "Bild"-Zeitung.

Er stand in Rheinland-Pfalz im Einsatz und möchte anonym bleiben, denn er hat Brisantes zu erzählen: "Es heißt, Ortschaften seien bereits abgesucht, aber das stimmt gar nicht. Dann kommen wir dahin und die Angehörigen graben selbst nach möglichen Opfern, weil keiner kommt." Er fordert die Organisation auf, mehr Rettungsteams in abgelegene Dörfer zu schicken. "Uns läuft die Zeit weg. Lange können die Opfer unter den Trümmern nicht mehr überleben. Wir müssen auch nachts unter Flutlicht weitersuchen. Aus ganz Deutschland müssen Einsatzkräfte hierhin, insbesondere extra ausgebildete Katastrophenteams."

Die Zahl der Toten der Unwetter-Katastrophe steigt auf 156.
Die Zahl der Toten der Unwetter-Katastrophe steigt auf 156.picturedesk.com

"Menschen sind wie in einem Gefängnis ertrunken"

Was der Feuerwehrmann in den letzten Tagen erlebt hat, wird er wohl lange nicht vergessen: "Es sieht aus wie nach einem Bombenangriff. Wir haben überall Tote gefunden, die Opfer wurden wie bei einem Tsunami vom Wasser regelrecht überrollt. Das ging in Sekunden, sie hatten überhaupt keine Chance", sagt er weiter zur "Bild".

Der Retter erzählt von ertrunkenen Menschen, die er in einem Lift entdeckte. "Die sind wie in einem Gefängnis ertrunken", sagt er. "Wir haben immer wieder Tote in Tiefgaragen entdeckt, das waren Menschen, die vermutlich noch schnell ihre Autos retten wollten, dann vom Wasser eingeschlossen wurden. Das Wasser drückt da rein, da ist in ein bis zwei Minuten alles vollgelaufen."

Er befürchtet, dass die Retter und Retterinnen in den kommenden Tagen noch mehr Tote finden werden. "Wir waren in Ortschaften, da stand das Wasser über den zweiten Stock bis zum Dachgiebel. Überall sind Häuser teilweise oder sogar komplett eingestürzt, wir wissen gar nicht, wer oder wie viele noch unter den Trümmern liegen."

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