"Angezählter" Hofer richtet Botschaft an die FPÖ

FPÖ-Chef Norbert Hofer: Laut einem FPÖ-Insider hat er kaum mehr Rückhalt in der Partei.
FPÖ-Chef Norbert Hofer: Laut einem FPÖ-Insider hat er kaum mehr Rückhalt in der Partei.HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com
Der Wirbel in der FPÖ geht weiter. Wegen angeblicher Treffen zwischen Kanzler und FPÖ-Chef wendet sich Letzterer nun öffentlich an die eigene Partei.

Diese Nachrichten kommen für FPÖ-Chef Norbert Hofer zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Zwischen ihm und ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz soll es mehrere Geheimtreffen gegeben haben, berichtet die Plattform "ZackZack". Angeblicher Inhalt: Ein fliegender Koalitionswechsel von Türkis-Grün zu Türkis-Blau. Nicht erst seitdem gehen die Wogen bei den Freiheitlichen hoch. Parteichef Hofer versucht nun, mit einer öffentlichen Botschaft zu beruhigen.

"Es gab keine solchen Treffen, es gibt keine solchen Treffen und es wird auch künftig keine solchen Treffen geben. Mit dieser ÖVP ist aktuell nämlich kein Staat zu machen", so Hofer. Einen fliegenden Wechsel habe er auch mehrmals ausgeschlossen und dies sei auch so in einem Antrag im letzten Bundesparteipräsidium verankert. Hofer spricht von einer "gezielten Diffamierungskampagne", eine derartige Vorgangsweise sei "auszuschließen".

"Selbstüberhöhung über alle Menschen"

Seine eigene Partei ruft Hofer nun zu "Ruhe und Einigkeit": "Ich bin Parteichef geworden, weil ich die FPÖ aus dem Ibiza-Tief, das dem Größenwahn, der Selbstsucht und der Überheblichkeit einzelner Personen geschuldet war, herausführen wollte." In Umfragen stehe man bei fast 20 Prozent, da werde er sich von der ÖVP keinen Keil in die Partei treiben lassen und auch nicht "akzeptieren, dass sich die FPÖ ohne Not mitten im Aufwind erneut ins Tal der Tränen stürzt".

"Angezählt" wirkt Hofer nicht nur wegen den neu aufgetauchten Gerüchten. Seit Wochen scheint die blaue Doppelspitze mit dem aggressiven Corona-Kurs von Klubchef Herbert Kickl und dem eher staatsmännisch agierendem Hofer im Clinch zu liegen. Wie der "Standard" berichtet, kam es jüngst zur Eskalation. Hofer verordnete nämlich erst seinem Parteikollegen Kickl und den übrigen Freiheitlichen das Tragen der Maske im Parlament und sprach bei Verweigerern von "Selbstüberhöhung über alle Menschen", Kickl und Kollegen missachteten daraufhin die Maske demonstrativ – und Hofer ruderte schließlich zurück.

Sogar Spaltung in Raum gestellt

Im "Standard" hieß es dazu, dass "Entsetzen und Verärgerung" über Parteichef Hofer im Parlamentsklub herrschte, wie es FPÖ-Bundesrat Johannes Hübner im ultrarechten "Info-Direkt" bekannt gab. Niemand im Klub habe sich hinter Hofers Linie gestellt, alle seien Klubchef Kickl gefolgt, hieß es weiter, "eine krachende Niederlage", so der Bericht. Hofer soll die Sitzung gar komplett ausgelassen haben, wegen eines Krankheitsfalls in der Familie.

Was Hübner auch sagte: Man könne sich mit Hofer zusammensetzen und das Problem lösen ("ich glaube aber, dass der Schuldige die Fehler eingesehen hat"), oder aber es könne zu einer ""Trennung im Vernünftigen und im Interesse der Bewegung, der Partei und unserer Weltanschauung" kommen – also eine Spaltung der FPÖ.

Axel Melchior, ÖVP General
Axel Melchior, ÖVP GeneralHelmut Graf

ÖVP: "Falschmeldung"

Seitens der ÖVP nahm Generalsekretär Axel Melchior zu den Gerüchten in Form einer Presseaussendung Stellung. "Dem Blog von Peter Pilz geht es ein weiteres Mal lediglich darum, Stimmungsmache gegen die Volkspartei sowie die Bundesregierung zu betreiben", befindet er. Melchior weiter: "Zu diesem Zweck werden die Internetnutzer mit der Falschmeldung konfrontiert, die Volkspartei hätte zuletzt Gespräche mit der FPÖ über einen fliegenden Koalitionswechsel geführt. Der Inhalt des Artikels ähnelt einer konfusen Verschwörungstheorie und entspringt lediglich dem Hirngespinst jener, die seit Monaten versuchen, die Volkspartei mit falschen Vorwürfen anzupatzen."

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