Tiere

Angst um "Ziesel-Mord" wegen neuem Busbahnhof

Über einen geplanten Busbahnhof, eine eingestellte Regionalbahn, die Angst, dass Ziesel zubetoniert werden und verärgerte Bürger.
Heute Redaktion
13.09.2021, 14:19

Die Bürgerinitiative "Regionalbahn statt Bus" und die Grünen NÖ versuchen, einen geplanten Busbahnhof in Matzen-Raggendorf (Niederösterreich) zu verhindern. Grund: Zum einen wollen sie den bereits bestehenden Schienenverkehr ("Schweinbarther Kreuz") nutzen, statt einen neuen Busbahnhof zu bauen. Zum anderen ist man sich sicher, dass auf dem Grundstück streng geschützte (weil vom Aussterben bedrohte) Ziesel leben. Beweisen können Bürger wie Grüne das derzeit nicht. Die Nager halten noch Winterschlaf.

„"Das Einbetonieren von Zieseln ist der Tod für den Artenschutz in Niederösterreich"“

, kritisieren die "Grünen NÖ" in einer Aussendung.

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Ziesel oder keine Ziesel, das ist hier die Frage

Verärgerte Bürger schlossen sich zu einer Initiative zusammen, um den Bau des Busbahnhofes und den Ausbau des Busverkehrs in der Region zu stoppen. Auf einer Website informieren sie umfangreich über das bisherige Geschehen und verbreitete "Lügen". Außerdem hätten sie auf dem Grundstück eine streng geschützte Ziesel-Population entdeckt. Zumindest deuten Höhlen im Boden darauf hin, dass hier die vom Aussterben bedrohten Nager leben.

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Derzeit halten die Tierchen allerdings noch Winterschlaf – darum gibt es (noch) kein Gutachten. Das Grundstück wurde allerdings bereits offiziell für den Busbahnhof umgewidmet. Etwaige Einsprüche, auch von Wiener Tierschutzverein Chefin Madeleine Petrovic, wurden bisher abgelehnt. Die Bürgerinitiative wendete sich an die Grünen. Auch die Politiker sind sich nach einem Lokalaugenschein sicher:

„"Wird die Fläche nun verbaut und somit versiegelt, bedeutet das den sicheren und bewusst herbeigeführten Tod für die streng geschützten Tiere."“

, so der Grüne Weinviertel-Landtagsabgeordnete Georg Ecker. Er fordert den sofortigen Baustopp und die Wiederaufnahme der Bahn. Einen Betreiber hätte man auch schon gefunden, jetzt hänge es am Land Niederösterreich.

Vorhandene Bahnlinie nutzen, statt neuen Bus-Bahnhof bauen

Die Grünen NÖ und Bürger befürchten, dass die Ziesel einfach zubetoniert werden. Ein entsprechender Antrag der Grünen im Landtag, um dies zu stoppen („Schutz der Tiere und Nein zum Busbahnhof"), wurde von ÖVP, FPÖ und NEOS mit einem "Nein" abgeschmettert.

"ÖVP, FPÖ und NEOS unterstützen Ziesel-Mord in Raggendorf", kommentieren die Grünen NÖ den abgelehnten Antrag. Die Bürgerinitiative wie die Grünen fordern, den Busbahnhof nicht zu bauen und im Sinne des Naturschutzes, des Tierschutzes und der Anrainer, stattdessen auf die vorhandene Infrastruktur, die Bahnlinie "Schweinbarther Kreuz" zurückzugreifen.

„"Wir wollen keine 70 neuen Busse pro Tag durch die vom Durchzugsverkehr belasteten Dörfer"“

, so Gerhard Mayer von der Bürgerinitiative. Dies war sogar "Wort des Jahres" im Bezirksblatt Mistelbach.

Die Regionalbahn wurde im September 2019 eingestellt, stattdessen kamen die Busse und die brauchen nun einen Bahnhof. Dieser bringt jedoch auch mehr Lärm und Feinstaub, wie Bürger auf Website informieren:

"Den BewohnerInnen in Raggendorf wird eine erhöhte Lärm- und Abgasbelastung durch den zusätzlichen Busverkehr zugemutet, die Belastung durch Feinstaub, Gummi- und Straßenabrieb wird nicht einmal erwähnt.", so die Kritik.

Das sagt Land Niederösterreich dazu

Die Bahnlinie "Schweinbarther Kreuz" wurde in Matzen-Raggendorf eingestellt. Der öffentliche Verkehr soll dort deshalb nun stärker mit Bussen ausgebaut werden. "Heute" hat beim Land NÖ nachgefragt, ob auf dem Grundstück ihrerseits Ziesel vermutet werden und wie das weitere Vorgehen in Sachen Busbhanhof sein wird. "Viel gibt es da nicht zu sagen", so Florian Krumböck , Sprecher des Landes NÖ. Ein Tiervorkommen kann derzeit weder bestätigt noch negiert werden. Da die Tiere gerade Winterschlaf halten, gebe es auch noch kein Gutachten diesbezüglich.

„"Die Löcher und die Röhren haben wir uns angeschaut. Diese deuten zumindest darauf hin, dass da etwas ist"“

, so Krumböck .

Man müsse den März abwarten, bis die Tiere wieder aufwachen, um zu prüfen, ob dort wirklich Ziesel leben, so Krumböck weiter.

"Wir müssen schauen, was das ist, dann entscheiden wir, wie es weitergeht." Sollten tatsächlich Ziesel auf dem Grundstück leben, müsse man sich eine Alternative suchen. "Im Fall der Fälle" auch "eine Umsiedlung" andenken. "Wir wollen, dass das gut geprüft wird und im März wird sich das der Sachverständige ansehen.", so Florian Krumböck, Sprecher des Landes NÖ im Gespräch mit "Heute".

Ziesel – vom Aussterben bedrohtes Tier, direkt vor unserer Haustüre

Ziesel sind in der Roten Liste Österreichs als „stark gefährdet" eingestuft. Ziesel sind stehen ebenfalls auf der der Roten Liste

der gefährdeten Tierarten der IUCN. Die vom Aussterben bedrohten Nager stehen europaweit unter strengem Schutz (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union) - auch in Österreich.

WTV-Chefin Madeleine Petrovic appelliert im Interview mit "ökonews" an die Bevölkerung, sich aktiv am Artenschutz zu beteiligen. "Die Österreicherinnen und Österreicher spenden gerne für bedrohte Wale oder Pandas. Das ist ehrenvoll, doch gefährdete Tiere gibt es leider auch direkt vor unserer Haustür."

Und weiter:

„"Die Ziesel sind unsere Pandas und benötigen jede nur mögliche Unterstützung"“

, so Petrovic.

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