Dramatische Szenen in einer Einrichtung der Wiener Kinder- und Jugendhilfe: Eine schwer traumatisierte Zwölfjährige soll sich aus Angst vor ihrem neuen Betreuer aus dem Fenster gestürzt haben. Das Mädchen überlebte den Sprung schwer verletzt.
Ausgangspunkt war die Schließung der Einrichtung des Vereins "Pro Child", in der das Mädchen bisher untergebracht war. Deshalb musste sie Anfang März in eine andere Wohneinrichtung übersiedeln.
Laut der "Kronen Zeitung" lagen den Verantwortlichen mehrere Hinweise vor, dass die Zwölfjährige aufgrund ihrer traumatischen Vergangenheit panische Angst vor Männern habe. In den Unterlagen sei deshalb ausdrücklich empfohlen worden, die Übergabe ausschließlich durch weibliche Betreuungspersonen durchführen zu lassen.
Den Recherchen zufolge wurde auch der neue Träger, der Verein Homebase, darüber informiert. Wegen personeller Schwierigkeiten sei eine Übergabe durch Frauen jedoch nicht möglich gewesen.
Als die Verantwortlichen zur Abholung erschienen, eskalierte die Situation. Laut den der "Kronen Zeitung" vorliegenden Protokollen verschanzte sich das Mädchen in ihrem Zimmer. Nachdem ihr angekündigt worden sein soll, dass das Zimmer notfalls gegen ihren Willen betreten werde, kletterte die Zwölfjährige aus einem Fenster im ersten Stock und sprang auf den Beton.
Noch am Boden liegend soll sie laut Augenzeugen geschrien haben: "Ich sterbe lieber, als mit denen mitzugehen." Die Berufsrettung Wien bestätigte den Einsatz – das Mädchen erlitt demnach ein Polytrauma sowie Brüche an Armen und Beinen.
Laut der "Kronen Zeitung" soll im Vorfeld auf die besondere Situation des Mädchens hingewiesen worden sein soll. Dennoch kam es zu jener Übergabe, die schließlich in der dramatischen Verzweiflungstat endete.
Der Verein Homebase reagierte laut Bericht nicht auf Anfragen. Aus dem Büro der für die MA 11 zuständigen Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) heißt es hingegen: "Die Aufsicht der MA 11 prüfte den Vorfall und achtete darauf, dass dieser fachgerecht bearbeitet wurde. Ein fachliches Fehlverhalten des Trägers Homebase wurde dabei nicht festgestellt."
Politisch schlägt der Fall bereits Wellen. ÖVP-Wien-Chef Markus Figl kritisiert: "Wenn gerade Kinder und Jugendliche, die besonderen Schutz brauchen, im Stich gelassen werden, ist das ein Versagen im Neos-Ressort."