Coronavirus

Virologe warnt vor Schulstart im Herbst

Gesundheitsminister Anschober gibt zusammen mit Virologen einen Ausblick darauf, was in der Corona-Krise im Sommer und Herbst noch bevorsteht.
Stephan Hofer
17.06.2020, 10:48

Am Dienstag - genau drei Monate seit dem Lockdown am 16. März - gab er in einer Pressekonferenz zusammen mit Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité, einen Überblick über die bisherige Entwicklung und einen Ausblick darauf, was in der Corona-Krise noch auf Österreich zukommen könnte. Beide warnten davor, die Krise als komplett überwunden anzusehen.

Ein großes Risiko berge der Schulbeginn im Herbst, falls das Risikobewusstsein in der Bevölkerung nachlasse. Anschober erklärte, ein zweiten Lockdown werde wohl nicht notwendig sein, aber die Behörden seien jederzeit bereit, weniger strenge Schutzmaßnahmen wieder verpflichtend einzuführen.

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Risiko zu Schulbeginn, Entwicklung im Sommer unklar

Christian Drosten - der per Videoschaltung live aus Berlin zugeschaltet wurde - zeigte sich beeindruckt, wie sehr Österreich und Deutschland auch viel gemeinsam reagiert hätten und "nicht zu warten, bis die Todesfälle da sind". Diese drei Wochen Vorsprung seien für beide Länder entscheidend gewesen.

Derzeit sei die Infektionsrate gut unter Kontrolle, auch wenn man die Zahl der Neuinfektionen, gerade in den Städten, den Großdemonstrationen mit bis zu 5.000 Menschen an einem Ort gegenüberstelle. "Was gerade die Gesundheitsorganisationen hier leisten, ist wirklich heldenhaft", so Drosten. Gefährlich werde es, sobald im Herbst die Schulzeit wieder beginnt, warnte der Virologe. Da müsse man wachsam bleiben. 

Auch wie sich die Infektionen im Sommer weiterhin entwickeln werden, könne man derzeit noch nicht einschätzen. Eine zweite Welle an Infektionen könne aber prinzipiell verhindert werden, zeigte sich Drosten überzeugt. Immerhin sei der Wissensstand deutlich größer inzwischen. "Aber dieses Verhindern geht nicht per Dekret, sondern nur über die Zusammenarbeit und die Solidarität der Bevölkerung", so der Virologe.

"Nicht glauben, es ist alles vorbei"

Die Situation sei nun "grundsätzlich eine positive, aber man darf sich nicht täuschen: Es ist noch nicht vorbei", sagte auch Anschober. Der Lockdown habe funktioniert. Die Lockerungen in den vergangenen Wochen und Monaten hätten sich nicht negativ ausgewirkt, zeigte sich Anschober zufrieden und auch ein wenig überrascht. "Ich habe schon auch ein bisschen Bauchweh gehabt", gestand der Gesundheitsminister.

Er warnte allerdings ausdrücklich davor, unvorsichtig zu werden, weil die Infektionsrate klar absinke. Die größte Gefahr sei derzeit, dass das Risikobewusstsein deshalb nachlasse und die Menschen weniger achtsam seien.

"Zweite Welle können wir verhindern"

Drosten nahm in diesem Zusammenhang vor allem die Presse in die Pflicht. Es müsse seriös und kompetent über die medizinischen und wissenschaftlichen Hitnergründe berichtet werden. Nur so könne man die Notwendigkeit von Vorsorgemaßnahmen auch vermitteln und damit die Solidarität und das Füreinander gewährleisten.