Corona-Ansteckung in Lokalen gefährlicher als gedacht

Laut dem Ökonom Martin Halla könne man nicht gänzlich davon ausgehen, dass im Gastro-Bereich keine Ansteckungen passieren.
Laut dem Ökonom Martin Halla könne man nicht gänzlich davon ausgehen, dass im Gastro-Bereich keine Ansteckungen passieren.picturedesk.com
Laut dem Ökonom Martin Halla könne man nicht gänzlich davon ausgehen, dass im Gastro-Bereich keine Ansteckungen passieren. Hier die Gründe.

Bereits seit Längerem drängt man darauf, die Gastronomie wieder öffnen zu lassen. Als Grund wurde hierfür die Tatsache herangezogen, dass ohnehin keine Cluster auf die Gastro-Branche zurückzuführen seien, sprich hier keine Ansteckungen passieren. Dies würden Zahlen und Analysen der AGES belegen.

Zuletzt erläuterte auch Public-Health-Experte Armin Fidler, warum in der Modellregion Vorarlberg trotz des Anstiegs der Infektionszahlen nicht die Öffnungsschritte in der Gastro-Branche hierfür verantwortlich seien. In Vorarlberg habe man laut AGES-Zahlen nämlich "null Evidenz, dass die Fälle aus der Gastronomie stammen". (Mehr dazu hier >>)

Hilfe abgelehnt

Ganz so allgemein könne man dies allerdings nicht sagen, so Ökonom Martin Halla von der Johannes Kepler Uni Linz in einem Puls24-Interview. Er erzählte, dass sein Institut dem Land Vorarlberg seine Hilfe bei den umgesetzten Lockerungen anbot. Man wollte im Rahmen des Forschungsprojekts bei den Öffnungen eine geeignete Datenbasis aufbauen.

 "So hätte man viel mehr über Infizierte und die Gründe für die Infektion herausfinden können", erklärte Halla.

Allerdings wurde das Angebot "freundlich, aber doch sehr bestehend abgelehnt". Der Grund: Es seien keine Daten "für eine datenschutzrechtliche Prüfung vorhanden".

35% der Fälle ungeklärt

Man habe sich demnach auf die Analysen der AGES verlassen. Jene stellt nämlich Daten zur Cluster-Bildung zur Verfügung. Allerdings, so Halla, können nur 65 Prozent der Fälle zurückverfolgt werden. Dies bedeute im Umkehrschluss also, dass 35 Prozent der Ansteckungen ungeklärt blieben und damit nicht zu ihrem "Ursprung" verfolgt werden könnten. 

Wenn man also sagt, es gibt keine Ansteckung in der Gastronomie, könne "man sich hier nur auf die 65 Prozent beziehen, die man bereits geklärt hat". Es wäre aber ungeklärt, ob bei den restlichen 35 Prozent nicht doch eine Ansteckung im Gastro-Bereich passiert sei. 

"Diese Cluster-Analysen sind nur so gut, so gut die Bevölkerung mitmacht und eben ehrliche Antworten gibt", stellt Halla fest.

Die Chance, benötigte Daten nun im Nachhinein zu erheben, sei noch immer gegeben. Man müsste hierzu etwa Daten, die es ohnehin schon gibt, mit dem epidemiologischen Meldesystem verknüpfen "und könnte sich somit den Gastronomie-Sektor in Vorarlberg im Vergleich zu den anderen Bundesländern ansehen, die geschlossen hatten". 

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