Lage der Juden in Europa 'schlimmer und schlimmer'

Bundeskanzler Kurz möchte eine einheitliche Definition des "Antisemitismus" vorantreiben. Man stehe an einem "Scheideweg", so Ariel Muzicant.

Immer noch seien mehrere EU-Staaten aus "irgendwelchen dummen Gründen dagegen", wetterte der Ariel Muzicant, Vizepräsident des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC), bei der Eröffnung der EU-Konferenz gegen Antisemitismus und Antizionismus am Mittwoch in Wien.

Die türkis-blaue Regierung möchte damit ein Zeichen zur "Sicherung des jüdischen Lebens in Europa" setzen. Beim EU-Gipfel im Dezember soll die gemeinsame Erklärung beschlossene Sache sein. Inhaltlich gehe es um eine gemeinsame Definition von Antisemitismus sowie das Bekenntnis, "dass Juden Bürger Europas sind und das Recht darauf haben, in Frieden zu leben", wie Muzicant laut einem "ORF"-Bericht erklärte. Fünf, oder sechs Staaten würden sich immer noch querlegen.

"Stehen an Scheideweg"

Die Lage der Juden in Europa werde "schlimmer und schlimmer", so Muzicant weiter und spricht davon, das man an einem "Scheideweg" stehe. Die nächsten Monate und Jahre seien entscheidend darüber, "was mit den 1,5 Millionen Juden passiert, die auf diesem Kontinent leben". Zwar nehme Antisemitismus zwar auch in Österreich zu, gewalttätige Übergriffen wie etwa in Frankreich oder England, gebe es hierzulande aber nicht.

In seiner Rede betonte Bundeskanzler Sebastian Kurz, dass er eine einheitliche Definition von Antisemitismus in der EU schaffen wolle. Dies sei ein "wichtiger Schritt" für die Sicherheit der Juden in Europa. Man wolle damit der "besonderen Verantwortung" Österreichs gerecht werden. Einen Seitenhieb auf Migranten aus islamischen Ländern konnte sich Kurz aber dann doch nicht verkneifen: Zum latenten Antisemitismus der Österreicher sei nun auch "neu importierter" hinzugekommen.

Unsicherheit unter jüdischer Bevölkerung

"Die jüdische Kultur ist ein fester Bestandteil der Identität Österreichs und der Europäischen Union. Wir müssen daher den Kampf gegen Antisemitismus und Antizionismus gemeinsam und entschlossen weiterführen", erklärte auch VP-Generalsekretär Karl Nehammer in einer Aussendung.

Erst am Dienstag waren die Ergebnisse einer Umfrage unter jüdischen Führungspersönlichkeiten aus 29 Ländern veröffentlicht. Nur ein Fünftel gab an, sich an seinem Wohnort "sehr sicher" zu fühlen. Vor zehn Jahren war es noch ein Drittel. Die Zahl der sehr unsicheren Juden hat sich im selben Zeitraum auf 13 Prozent mehr als verdoppelt. (red)

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