"Wir sind enttäuscht, warum kann man sein Herz nicht öffnen und Kindern, die jetzt auf der Straße leben müssen helfen?", fragt sich Ruth Lerz von den Grünen Eichgraben (St. Pölten-Land). Sie und ihr Team brachten bei der Gemeinderatssitzung einen Dringlichkeitsantrag über die Aufnahme einer Flüchtlingsfamilie aus Moria ein. "Wir wollten damit ein Zeichen setzen. Erstens haben wir Platz und wenn jede Gemeinde unserem Beispiel folgt und eine Familie aufnimmt, können viele davon profitieren", sagt sie. Doch der Antrag wurde abgelehnt.
Dabei habe Eichgraben laut Lerz schon eine lange Tradition in der Aufnahme von Flüchtlingen. Angefangen im Jahr 1956 (Ungarn), danach 1968 (Tschechoslowakei), in den 80er-Jahren (Iran) und den 90er-Jahren (Exjugoslawien). "Als 2004 vier junge Nigerianer zum Fussballspielen nach Eichgraben kamen, wurden sie beispielhaft integriert und betreut. Ihr Schicksal wurde sogar verfilmt ("Der schwarze Löwe")", erzählt Lerz.
Auch als 2014/15 immer mehr Menschen aus Syrien und dem Irak in Österreich ankamen und einige in den Sonnenhof einzogen, fanden sich einige Eichgrabner zusammen, die mithelfen wollten, diese Menschen beim Start in ihr neues Leben zu begleiten. "Der damalige Bürgermeister Martin Michalitsch und sein Team haben die Initiative 'Mosaik' immer sehr unterstützt und so kam Eichgraben eine Vorreiterrolle zu", setzt sie fort.
Dreimal erhielt die Gemeinde bereits Auszeichnungen für soziales Engagement. "Auch jetzt wollten wir wieder Menschen in Not helfen. Vor allem Familien mit kleinen Kindern, die unter unwürdigen Zuständen leben müssen", so Lerz. Dass, der Dringlichkeitsantrag nicht einmal auf die Tagesordnung gekommen ist, enttäuscht sie sehr. "Wir hätten danach noch immer diskutieren können, aber gleich vorweg alles abwürgen, ist schade", meint Lerz. Die Grünen werden sich weiter dafür einsetzen, dass zumindest eine Familie hier Platz findet.