Ein Platzsturm und schwere Randale haben den Abstieg des französischen Fußball-Rekordmeisters AS Saint-Étienne in die zweite Liga überschattet. Unmittelbar nach der Niederlage der Gastgeber im Elfmeterschießen im Relegationsspiel am Sonntag gegen AJ Auxerre drängten Hunderte Zuschauer auf den Rasen. Einige von ihnen griffen die Spieler an und zündeten Feuerwerkskörper. Zahlreiche Bengalos flogen teils in die Menge, teils auch auf die noch mit Fans gefüllten Zuschauerränge.
An verschiedenen Orten des Stadion entstanden kleinere Brände. Video-Aufnahmen von den Szenen nach Spielende zeigten dichte Rauchschwaden über dem Stadion. Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, setzte die Polizei Tränengas ein. Die randalierenden Fans zogen sich daraufhin auf einen Parkplatz vor dem Stade Geoffroy Guichard zurück, wo sie gemäß "L’Équipe" die Fahrzeuge der Spieler demolierten. Die französische Sporttageszeitung spricht von der "grünen Hölle" und einem "apokalyptischen Abend".
Ein Großaufgebot der Polizei samt Wasserwerfern drängte den Mob schließlich weiter vom Stadion weg. Zu diesem Zeitpunkt waren die Spieler beider Mannschaft bereits in die Katakomben geflüchtet. Nur dank des Einsatzes von unzähligen Sicherheitskräften in Vollmontur konnte verhindert werden, dass Randalierer auch die Garderoben stürmen konnten.
Über mögliche Verletzte ist auch in französischen Medien bisher nichts bekannt. Insgesamt 1154 Auxerre-Fans mussten zunächst auf Feierlichkeiten verzichten und im Inneren des Stadions ausharren, ehe sie kurz vor Mitternacht schließlich evakuiert werden konnten. Auch über die möglichen Konsequenzen für den Heimklub wurde bisher nichts kommuniziert. Saint-Étienne selbst hat rechtliche Folgen für die Ausfälligen angekündigt.
Jean-Marc Furlan (64), Trainer von Auxerre, kommentierte gegenüber "l’Équipe": "Bei uns gab es in den letzten Monaten viele Gewalttaten in unseren Stadien, ohne dass wir sie eindämmen konnten. Das ist ein bisschen traurig und ich weiß nicht, wie man die wiederholte Gewalt der Zuschauer in Frankreich ausrotten kann."
Zur Erinnerung: In der Ligue 1 kam es in der abgelaufenen Saison immer wieder zu heftigen Fanausschreitungen und in der Folge zu Spielabbrüchen. Auch der Final der Champions League, der am Samstagabend in Paris stattfand, war von Chaos rund ums Stade de France überschattet. Dem Schweizer Ski-Freestyle-König Andri Ragettli (23) wurde vor dem Stadion gar das Ticketgestohlen.
Wie im Hinspiel stand es in der Partie nach 90 Minuten 1:1, auch die Verlängerung brachte keine Entscheidung. Im Elfmeterschießen setzte sich Auxerre dann 5:4 durch. St. Etienne hatte in der Vergangenheit zehnmal die französische Meisterschaft gewonnen, genau so oft wie jetzt Paris Saint-Germain.
Nun muss der Klub nach 18 Jahren im Oberhaus den Gang in die Unterklassigkeit antreten. Auxerre hingegen ist nach zehn Jahren Ligue 2 zurück. Es war der eigentlich sehenswerte Höhepunkt einer spannenden Relegation, bei der sich zum ersten Mal seit Einführung 2017/18 der Vertreter aus der unteren Liga durchsetzen konnte.