Mit den neuesten Funktionen der Apple Watch steht das Thema Datenschutz erneut im Mittelpunkt der Diskussion. Die Smartwatch soll künftig mit Features wie 'Live Rewind' und 'Siri Recap' ausgestattet sein, die es ermöglichen, Gespräche mitzuhören, zurückzuspulen und zusammenzufassen.
Damit könnten Nutzer die letzten 15 Sekunden eines Gesprächs rekapitulieren oder sich eine Tageszusammenfassung liefern lassen – was bedeutet, dass die Uhr kontinuierlich mithört.
Viele Menschen reagieren darauf mit Unbehagen. In sozialen Netzwerken ist sogar von 'Spyware' die Rede. Unter einem Video des Influencers Dylan Page auf TikTok kommentierte eine Userin: "Ich werde nie mehr mit einem Apple-Watch-Träger sprechen."
Auch der Kommunikationswissenschaftler Tobias Dienlin sieht im Interview mit "l'essentiel" Risiken: "Die bloße Möglichkeit, dass mitgehört wird, kann ein Gespräch beeinflussen. Wenn wir uns des Mithörens bewusst sind, und besonders wenn es uns stört, dann passen wir unsere Gespräche und Inhalte an." Diese Funktionen können Auswirkungen auf Freundschaften und informelle Gespräche haben, sofern alle Beteiligten über die Überwachung Bescheid wissen.
Dienlin sieht allerdings auch Einschränkungen: "Viele werden davon noch nicht einmal wissen. Entsprechend würde es mich wundern, wenn sich soziale Abläufe großartig ändern würden." Selbst wenn das Mithören zunächst störend empfunden werde, könne es im Alltag in Vergessenheit geraten. Zudem werden die neuen Funktionen in der EU bislang nicht angeboten.
Apple betont, dass die Funktionen hohe Datenschutzstandards erfüllen. Die Daten sollen nur lokal auf der Uhr gespeichert werden, Aufnahmen werden laut Apple nicht angefertigt.
"Das Betriebssystem, Apps, du selbst und Apple können auf keinerlei Audio zugreifen. Es gibt keine Aufzeichnungen, die geteilt, weitergeleitet oder auf Anfrage offengelegt werden können, da schlicht keine Aufzeichnungen existieren", versichert das Unternehmen. Beim Aktivieren der 'Live Rewind'-Funktion ertönt zudem ein Hinweiston, der nicht deaktiviert werden kann.
Datenschützer mahnen dennoch zur Vorsicht und verweisen darauf, dass ein dauerhaft aktives Mikrofon bereits kritisch zu sehen sei. In den USA wird diskutiert, ob dies einen Gesetzesverstoß darstellen könnte.
Auch die Datenschutz-Grundverordnung der EU könnte diesen Funktionen im Weg stehen. Bislang gibt es keine Ankündigung, wann oder ob die Features in Europa verfügbar sein werden.