Wolf unterbricht Kurz, weil er ihm nicht glaubt

Sebastian Kurz bei Armin Wolf in der ZIB 2
Sebastian Kurz bei Armin Wolf in der ZIB 2ORF
ORF-Anchor Armin Wolf ist bekannt für seine angriffigen Interviews. "Darf ich nur ausreden?", fragt Bundeskanzler Kurz. "Bitte nicht", antwortet Wolf.

Das mit einer hitzigen Debatte zu rechnen war, wenn Bundeskanzler Sebastian Kurz bei Armin Wolf in der ZIB 2 zu Gast ist, war zu erwarten. Diskussionsthema Nummer 1 war im Vorhinein dabei – auch in den sozialen Netzwerken – eine bestimmte Aussage des Bundeskanzlers und des Innenministers.

"Wir hatten im Sommer sehr sehr niedrige Ansteckungszahlen nach dem Lockdown und haben dann durch Reiserückkehrer und insbesondere auch durch Menschen, die in ihren Herkunftsländern den Sommer verbracht haben, uns Ansteckungen wieder ins Land hereingeschleppt."

Tatsächlich hatten in der Woche, als es hieß, das Virus komme mit dem Auto über die Grenze nach Österreich, laut AGES zwölf Prozent der Neuinfektionen einen Bezug zum Westbalkan. Auch der Pressesprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker merkte an, dass in Wien 7,53 Prozent der Neuinfektionen zwischen Mitte Juli und Ende September Reiserückkehrer waren, ein Drittel davon aus Ex-Jugoslawien.

Dem Bundeskanzler wird deswegen scharf vorgeworfen, Sündenbock-Politik zu betreiben und in Zeiten, in denen Zusammenhalt mehr gefordert ist denn je, bewusst zu spalten. Wer der infizierten Reiserückkehrer einen Migrationshintergrund hat bzw aus der Heimat rückkehrte, wird außerdem nirgends erhoben.

Bitte nicht ausreden

Um dieses Thema sollte es auch in jenem Ausschnitt der ZIB 2 gehen, der mittlerweile die sozialen Netzwerke dominiert und überall zu sehen ist. "Warum erwecken sie den Eindruck, Migranten wären Schuld am Virus in Österreich?", fragt Armin Wolf den Bundeskanzler.

Kurz entgegnet, es ginge überhaupt nicht um Nationalitäten oder Herkunft, sondern um Rückkehrer von Reisen, spricht daraufhin von Österreichern, die zum Feiern nach Bratislava gefahren sind. Wolf unterbricht, hat er doch vor sich das oben genannte Zitat des Kanzlers, in dem von "Menschen in ihren Herkunftsländern" die Rede ist.

 Armin Wolf: "Herr Bundeskanzler, ich unterbreche Sie ganz ungern, aber das stimmt so nicht."

 Sebastian Kurz: "Darf ich nur ausreden?"

 Armin Wolf: "Bitte nicht, weil das, was Sie gerade sagen, stimmt nicht."

Kurz entgegnet mit den Zahlen der AGES, die gezeigt hätten, dass ein Drittel der Fälle im Sommer auf Reiserückkehrer zurückging, davon drei Viertel auf den Westbalkan und Kroatien.

Hunderttausend Klicks über Nacht

Ein Ausschnitt davon wird auf Twitter gepostet und erreicht über Nacht weit über 100.000 Aufrufe, alleine in der Stunde von 12.00 bis 13.00 Uhr Donnerstag kamen über 1.000 neue Likes dazu. Der Clip wird auch von internationalen Meinungsmachern geteilt und heftig diskutiert. Manche empfinden das Verhalten Armin Wolfs höchst unprofessionell und unseriös, wieder andere scheinen froh darüber, dass dem Kanzler so eindeutig Einhalt geboten wird.

Heftige Empörung hagelte es in Facebook-Gruppen wie "Freunde, denen Sebastian Kurz gefällt". "Dieser Herr Wolf ist widerlich", "Hut ab von Sebastian Kurz, ich wäre bei dem Gespräch nicht ruhig geblieben", "Hämische Mine, ständige Unterbrechungen, ein No Go" sind einige Reaktionen.

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