Niederösterreich

Armut in NÖ: „Miete zahlen, heizen oder Essen kaufen“

Die Armut in NÖ steigt weiter an. Trotz Job können sich viele das tägliche Leben nicht mehr leisten. Armuts-Experten schlagen Alarm.

Tanja Horaczek
Viele Familien stehen vor der Entscheidung, ob sie es ihren Kindern warm machen oder genug zu essen kochen.
Viele Familien stehen vor der Entscheidung, ob sie es ihren Kindern warm machen oder genug zu essen kochen.
Getty Images/iStockphoto (Symbolbild)

Nicht nur der tägliche Einkauf wird für viele Menschen zur Belastung - auch die Kosten für Wohnen und Energie werden für immer mehr Menschen zum Problem. „Immer mehr stehen vor der Frage: Miete zahlen, Heizen oder Essen kaufen“, so Carola Weiss vom Netzwerk der Wohnungslosenhilfe NÖ.

"Einmalzahlungen lösen keine bestehenden Probleme"

Bei der Pressekonferenz des NÖ Armutsnetzwerkes im soogut Sozialmarkt in St. Pölten wurde darauf hingewiesen, dass sich immer mehr Niederösterreicher am Ende des Monats entscheiden müssen, ob sie ihre Miete zahlen oder Lebensmittel kaufen. Vertreter des Armutsnetzwerk NÖ fordern daher eine Reform der Wohn- und Sozialhilfe und betonen, dass gelegentliche Einmalzahlungen vom Land die bestehenden Probleme nicht lösen.  Es brauche eine Reform der Wohnbeihilfe sowie eine leistbare Energiegrundversorgung, um Wohnen und Energie dauerhaft leistbar zu machen.

Martin Schenk (Armutskonferenz), Carola Weiss (Netzwerk Wohnungslosenhilfe NÖ), Barbara Bühler (NÖ Armutsnetzwerk), Silke Lohberg (zb zentraum für beratung training und entwicklung), Maria Nirnsee (arbeitplus- Soziale Unternehmen NÖ), Wolfgang Brillmann (soogut Sozialmarkt)
Martin Schenk (Armutskonferenz), Carola Weiss (Netzwerk Wohnungslosenhilfe NÖ), Barbara Bühler (NÖ Armutsnetzwerk), Silke Lohberg (zb zentraum für beratung training und entwicklung), Maria Nirnsee (arbeitplus- Soziale Unternehmen NÖ), Wolfgang Brillmann (soogut Sozialmarkt)
Ursula Oswald

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner versprach im Wahlkampf: „Für Niederösterreich zu arbeiten, bedeutet bereit zu sein, Gräben zu schließen.“ „Wir nehmen allerdings wahr, dass sich für viele in Niederösterreich neue Gräben auftun oder sich bereits bestehende vertiefen“, so Barabara Bühler, Obfrau des NÖ Armutsnetzwerkes.

Wohn- und Heizkostenzuschuss ist "Tropfen auf den heißen Stein"

Wolfgang Brillmann, Geschäftsführer der „soogut Sozialmarkt GmbH“, betont, dass die Nachfrage in den Sozialmärkten immer weiter steigt. Doch nicht nur der tägliche Einkauf wird für immer mehr Menschen zum Problem, sondern auch die steigenden Wohn- und Heizkosten. Der einmalige Wohn- und Heizkostenzuschuss, der seit 19. April beantragt werden kann, sei dabei nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“, heißt es.

Statt gelegentlicher Einmalzahlungen, brauche es eine Reform der Wohnbeihilfe, sowie eine leistbare Energierundversorgung, um Wohnen und Energie dauerhaft leistbar zu machen. Maria Nirnsee von „arbeit plus“: "Arbeit muss existenzsichernd sein“, so Nirnsee. Doch genau das sei sie für viele Frauen nicht, betont Silke Lohnberg vom Frauenberufszentrum: Frauen hätten ein erhöhtes Armutsrisiko und es sei notwendig, eine faire Verteilung von Care- und Sorgearbeit zu gewährleisten.

Appell: "Gräben wirklich zuschütten"

Der Appell des Netzwerkes an die niederösterreichische Landesregierung lautet: Gräben tatsächlich zu schließen und das im Wahlkampf plakatierte Miteinander für die Menschen in Niederösterreich spürbar zu machen: Dort, wo sie wohnen, arbeiten, einkaufen und Familie und Beziehungen leben.

Mehr Infos unter: www.noe-armutsnetzwerk.at