Arzt ging aus OP: "Patient nicht wegen Abwesenheit tot"

Am Kepler Universitätsklinikum in Linz kam es zu dem Vorfall.
Am Kepler Universitätsklinikum in Linz kam es zu dem Vorfall.KUK Linz
Jetzt spricht jener Mediziner, dessen Patient verstarb, nachdem er den OP-Saal verlassen hatte.

Anfang Mai kam es im Linzer Kepler-Klinikum zu einem tragischen Vorfall. Ein 77-Jähriger lag mit einem Aortariss auf dem OP-Tisch. Ein Oberarzt aus der Abteilung Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie leitete die Operation, verließ den Saal aber und übergab an einen Assistenzarzt. Die Operation wurde zwar beendet, der Patient starb aber danach – und der Arzt verlor seinen Job.

In einem Interview mit der "Kronen Zeitung" sagt der Mediziner aber nun: "Ich hätte nicht weggehen sollen, auch wenn der Tod des Patienten mit meiner Abwesenheit nichts zu tun hat. Die Operation ist völlig glatt verlaufen." Jener verhängnisvolle 5. Mai habe für ihn am Frühstuckstisch begonnen.

"Ich hatte an diesem Tag Corona-Bereitschaft", sagt er. "Das heißt, ich war in der Freizeit und hätte nur ins Krankenhaus kommen müssen, wenn ein Ärzteteam wegen einer Corona-Infektion ausfällt. Ich habe zugesagt, weil ich helfen wollte." Ferdinand Waldenberger, Ärztlicher Direktor der Klinik, hält gegen diese Darstellung. Der Arzt sei in Bereitschaft, also im Dienst gewesen. Das sei keine Freizeit.

Komplikationen

Die Operation begann um 13.07 Uhr, um 16.30 Uhr habe der Arzt eine Stunde weg gemusst, ein zweiter Oberarzt habe ihn dann vertreten sollen. Dieser hatte allerdings später keine Zeit mehr, weil sich eine seiner Operationen verschoben hatte. "Ich habe den Assistenzarzt gefragt, ob er sich zutraut, die OP alleine zu beenden, und gesagt, dass ich in einer Stunde wieder da bin und er sich bei Komplikationen sofort melden und den anderen Oberarzt rufen soll", erinnert sich der nun gebrochene Mann. "Er sagte Ja und dass er das schon öfter gemacht habe." Laut Waldenberger habe man bei der OP-Leitung die Verantwortung und dürfe nicht einfach gehen.

Um 17.10 Uhr ereilte den nun entlassenen Mediziner ein Anruf – es gab Komplikationen. Obwohl diese zehn Minuten später wieder abgeflaut waren, kam er zurück in den OP und übernahm. Gegen 19 Uhr fiel allerdings der Blutdruck des Patienten, das Herz versagte. Das Verlassen sei nicht für den Tod des Patienten verantwortlich gewesen, argumentieren der Mediziner und sein Anwalt. Das habe auch die Obduktion ergeben. Der Arzt will zurück ans Kepler Klinikum.

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