Astra & Pfizer? Biologe erklärt Sinn von Kreuz-Impfung

Doctor's hands in surgical gloves pulling COVID-19 vaccine liquid from vial to vaccinate female patient
Doctor's hands in surgical gloves pulling COVID-19 vaccine liquid from vial to vaccinate female patientGetty Images
Auch wenn das nationale Impfgremium noch keine diesbezügliche Empfehlung ausgegeben hat, könnte ein "Impfstoffcocktail" Vorteile haben. 

Fast 3,8 Millionen Menschen in Österreich haben zumindest eine Teilimpfung erhalten. Insgesamt wurden seit Beginn der Impfkampagne hierzulande 5,3 Millionen Stiche gesetzt. In der Regel bekommen Herr und Frau Österreicher zwei Mal den selben Impfstoff injiziert. Während zwischen zwei Pfizer-Impfungen vier Wochen vergehen, bekommen Astrazeneca-Kunden erst nach zwölf Wochen den zweiten Schuss verpasst. 

Theoretisch möglich, aber bislang, auch wegen der nicht vorhandenen Empfehlung des nationalen Impfgremiums, nicht Teil der Impfpraxis in Österreich sind sogenannte Kreuz-Impfungen. So nennt man den Vorgang, wenn bei der zweiten Teilimpfung ein anderes Vakzin verimpft wird, als beim ersten Durchgang. 

"Kombination sehr gut"

Molekularbiologe Martin Moder erklärt, warum eine solche Kreuzimpfung von Vorteil sein dürfte. Im Grunde wird hier nämlich das beste aus beiden Welten vereint. "M-RNA-Impfstoffe (Biontech/Pfizer oder Moderna) sind sehr gut darin, Antikörper zu formen, während Vektor-Impfstoffe (Astrazeneca, Johnson&Johnson) besser darin sind T-Zellen zu trainieren, also quasi den zellulären Teil der Immunantwort. Und jetzt wäre es nicht sehr überraschend, wenn eine Kombination in beidem sehr gut wäre", so der Wissenschaftler im Puls24-Interview. 

Auch wenn es noch keine Empfehlung des nationalen Impfgremiums gibt, kann die Bevölkerung, in Absprache mit dem Hausarzt, auf einer solchen Vorgehensweise bestehen. 

Vor allem für Astrazeneca-Kunden interessant

Besonders für Personen, die im ersten Durchgang mit Astrazeneca geimpft wurden, könnte die Kreuzimpfung besonders nützlich sein. Grund dafür ist die sogenannte Vektorimmunität. Moder erklärt das so: "Der Impfstoff ist ja ein Virus, der einen Teil, der einen Teil der Coronavirus-Erbinformation in mich eindringen lässt." Die Folge sei eine Immunabwehr gegen diesen Teil des Coronavirus, aber auch gegen das injizierte Transportvirus selbst. Das wird dann bei der zweiten Impfung relevant, denn: Bei der zweiten Impfung wird erneut dieses Transportvirus injiziert, gleichzeitig vom Körper aber schon teilweise bekämpft, bevor "dieses überhaupt seine Arbeit erledigen kann". 

Die ersten Ergebnisse von Studien, die diese theoretische Annahme auch in der Praxis bestätigen könnten, werden für Mitte Juni erwartet. Gut möglich also, dass in Zukunft so manch einer von der Kreuz-Impfung Gebrauch machen wird. 

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