AUA-Betriebsrat: "Schäme mich für das Unternehmen"

Bord-Betriebsratsvorsitzender Rainer Stratberger
Bord-Betriebsratsvorsitzender Rainer Stratbergerpicturedesk.com
Im Juli wurden an die AUA-Manager knapp drei Millionen Euro ausgezahlt. Der Betriebsrat der Airline kritisiert dies scharf.

Die Millionen-Boni für die AUA-Manager sorgen derzeit für Wirbel. Lange musste das Unternehmen während der Corona-Krise um seine Existenz zittern. Schlussendlich konnte die AUA nur mit viel Steuergeld gerettet werden, ein Großteil der Mitarbeiter befindet sich in Kurzarbeit. Doch jetzt wurde bekannt, dass im Juli 200 Führungskräfte in Summe fast drei Millionen Euro an Bonuszahlungen erhalten haben, "Heute" berichtete.

Die AUA argumentiert, dass dies rechtlich in Ordnung sei, weil die Boni ja für das Vorjahr geflossen sind, als der Konzern noch Gewinn gemacht hat. Bord-Betriebsratsvorsitzender Rainer Stratberger hat dafür wenig Verständnis und kritisiert die Vorgehensweise scharf. 

"Moralisch verwerflich"

Die Zahlungen seien laut seinen Aussagen zwar rechlich in Ordnung, aber moralisch verwerflich. "Die Außenwirkung der AUA ist fatal. Ich schäme mich fast für das Unternehmen. Es ist unverständlich, dass sich die eigene Führungsmannschaft die Boni auszahlen lässt, während unsere Kunden auf das Geld warten müssen. Das tut mir sehr leid", betonte er im "Ö1-Morgenjournal".

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Stratberger spricht damit die bezahlten Flug-Tickets an, die während der Corona-Krise storniert werden mussten. Laut AUA seien aber bereits 90 Prozent rückerstattet worden.

Auch Blümel kritisiert

Auch ÖVP, FPÖ und SPÖ sehen die Millionen-Boni kritisch. Finanzminister Gernot Blümel bezeichnet es ebenfalls als "unverständlich". "Wir haben ein gutes Paket geschnürt, um Arbeitsplätze zu sichern und dem Standort eine Perspektive zu geben", so der Minister mit Blick auf die zugesagten Staatshilfen im Volumen von 450 Millionen Euro. "Auch wenn die Zahlungen das Jahr 2019 betreffen, lässt diese Handlungsweise die Sensibilität gegenüber den Steuerzahlern vermissen."

Blümel weiter gegenüber "Heute": "Staatshilfen für das Unternehmen in Anspruch zu nehmen, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu haben und als Vorstand gleichzeitig Boni auszubezahlen, ist völlig inakzeptabel. Ich erwarte, dass der Vorstand den Bonus umgehend zurückbezahlt."

Die AUA versucht zu beruhigen und betont, dass man im Vorjahr 19 Millionen Euro Gewinn gemacht habe, zudem würden die Vorstände in den kommenden Jahren auf zwei Drittel ihres Gehalts verzichten.

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