AUA-Jet mit 102 Insassen stürzte beinahe auf Salzburg

Eine Bombardier Embraer 195 der Austrian Airlines während des Landeanflugs bei Sturm und dunklen Wolken. Symbolbild
Eine Bombardier Embraer 195 der Austrian Airlines während des Landeanflugs bei Sturm und dunklen Wolken. SymbolbildALEX HALADA / picturedesk.com
Beinahe wäre es zur Katastrophe gekommen. Wie haarscharf die 102 Menschen an Bord dem Tod entronnen sind, zeigt jetzt ein Untersuchungsbericht.

73 Sekunden lang wussten die beiden Piloten nicht, wie ihnen geschieht. Beim Landeanflug auf den Salzburger Airport wurde ihre Maschine von Sturmböen wie ein Spielball hin und her geworfen. Der Flieger drohte abzustürzen, sackte sogar bis auf 198 Meter ab, ehe der Captain nach langem Zögern den richtigen Knopf fand und erfolgreich durchstartete.

Der beschriebene Vorfall wurde nun von der Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) im Verkehrsministerium auf Herz und Nieren geprüft. Jetzt liegt der rund 100 Seiten starke Abschlussbericht vor, berichtet der "Kurier". Das erschütternde Fazit: Pilotenfehler.

Passiert ist das Ganze am 27. Oktober 2017, als gerade ein schweres Unwetter über Salzburg hinwegfegte. Auf YouTube sind zahlreiche Planespotter-Videos (siehe unten) zu finden, die zeigen, welche Kraft die Scherwinde damals hatten:

Schalter vergessen

Gleich mehrere Piloten hatten abbrechen und durchstarten müssten. So erging es auch der Besatzung der Embraer 195 der Austrian Airlines bei ihrem Anflug gegen 15.35 Uhr.

Die Piloten wollten nach dem Warnsignal ihrer Bordsysteme vor gefährlichen Seitenwinden wieder durchstarten. Dazu hätten sie nicht nur den Schubhebel nach vorne drücken, sondern auch den sogenannten TOGA-Druckschalter – ein Akronym für Take-Off/Go-Around – betätigen müssen. Das taten sie aber nicht.

"Da jedoch dabei keiner der beiden TOGA-Druckschalter gedrückt wurde, verringerte das Autothrottle-System die Leistung wieder", heißt es in dem Bericht dazu. "Durch den hohen Nickwinkel und der stetigen Abnahme der Geschwindigkeit wurde vom bordeigenen System eine Strömungsabriss-Warnung (Stall Warning) angezeigt." 

Letzte Warnung

Das bedeutet, dass das Flugzeug damit zu langsam und zu steil unterwegs war. Dadurch hätte es an den Flügeln den Auftrieb verlieren und abstürzen können. Wie der "Kurier" hervorhebt, war die Maschine kurze Zeit nur geringfügig schneller als das kritische Minimaltempo. Nur ganz knapp entging sie mit ihren 102 Insassen der Katastrophe.

Nur 15 Sekunden später folgte die aller letzte Warnung für die Piloten. Der Stickshaker löste aus, ließ den Steuerknüppel für zwei Sekunden vibrieren. 

Die Anflugroute samt der zwei zusätzlichen Schleifen der AUA-Maschine am 27. Oktober 2017.
Die Anflugroute samt der zwei zusätzlichen Schleifen der AUA-Maschine am 27. Oktober 2017.SUB

"Erhöhte Stressbelastung"

"Die Cockpitbesatzung steuerte nach der ersten Bedrohung das Luftfahrzeug 73 Sekunden lang mit sehr geringer Geschwindigkeit und zu geringer Steigrate und war nicht in der Lage, dies durch Aktivieren des TOGA-Mode zu korrigieren. Das Luftfahrzeug flog in diesem Zustand in Richtung der Berge im Umland des Flughafens, was eine weitere Bedrohung darstellte."

Erst dann besann sich einer Piloten auf den TOGA-Knopf. Nach der Betätigung gaben die Triebwerke sofort wieder Gas, kurz darauf war die Embraer wieder unter Kontrolle und konnte abdrehen. Nach zwei Schleifen konnte die Maschine sicher in Salzburg landen.

Im Falle des Fehlverhaltens der beiden Piloten kommen die Flugprüfer übrigens zu folgendem Schluss: "Beide Piloten hatten aufgrund des Schreck- und Überraschungsmomentes eine vermutlich erhöhte Stressbelastung."

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