Auch die zweite Abstimmung für die Wahl eines neuen Präsidenten in Italien ist am Donnerstagabend ergebnislos zu Ende gegangen. Kein Kandidat erhielt die notwendige Zweidrittel-Mehrheit von 672 Stimmen. Die meisten Parlamentarier der stärksten Gruppierungen gaben in der zweiten Runde leere Stimmzettel ab, um mehr Zeit für politische Sondierungen gewinnen.
Die Wahl wird am Freitagvormittag fortgesetzt. Erst ab dem vierten Urnengang am Nachmittag genügt eine absolute Mehrheit von 504 Stimmen. Bisher zeichnete sich jedoch kein starker alternativer Kandidat zu Ex-Senatspräsident Franco Marini ab, der beim ersten Wahlgang am Donnerstagvormittag die Zweidrittel-Mehrheit verfehlt hatte.
Die Protestbewegung "Fünf Sterne", die drittstärkste Partei im italienischen Parlament, bekräftigte ihre feste Absicht, weiterhin für ihren Kandidaten, den Juristen Stefano Rodotà zu stimmen. Bei der zweiten Abstimmung kam Rodotà auf die meisten Stimmen, Marini hingegen lag weit abgeschlagen an vierter Stelle.
An der Wahl des Staatschefs nahmen in Rom insgesamt 1.007 Wahlmänner und -frauen teil. Die Wahlberechtigten setzen sich zusammen aus 630 Abgeordneten und 319 Senatoren (darunter vier Senatoren auf Lebenszeit) sowie 58 Delegierte aus den 20 italienischen Regionen.
Der dritte Wahlgang wird am Freitagvormittag stattfinden. Sollten auch da keine Zweidrittelmehrheit zustande kommen, ist für den vierten Wahlgang nur mehr eine absolute Mehrheit von 504 Stimmen notwendig.