Die Meckerei

Auf den Bock gekommen – hier gibt's ziegenstarke Kurse

In ihrer "Meckerei" bietet Linda Gröbl unter anderem Ziegentrekking, Yoga mit Ziegen oder Teamevents an, bei denen Durchsetzungsvermögen gelehrt wird.

Yvonne Mresch
Auf den Bock gekommen – hier gibt's ziegenstarke Kurse
Linda Gröbl und ihre "Meckerer": Die 40-jährige lebt mit ihrem Mann, drei Kindern und acht Ziegen in Hagenbrunn.
Denise Auer

Wer sich hier durchsetzen will, braucht einen Dickkopf – oder eine gute Strategie. Mit acht Ziegen hat sich die Volksschulpägagogin Linda Gröbl in Hagenbrunn (Weinviertel) am Fuße des Bisambergs mit der "Meckerei" ihr ganz persönliches Paradies gebaut. Und das während der Corona-Pandemie.

Tierische Berufung

"Ich habe schon als Kind in die Freundebücher geschrieben, dass ich Bäuerin werden will und einen Bauer heiraten will", erinnert sich Gröbl lachend. "Meine Eltern haben auf der Boku studiert, Natur und Tiere waren also immer ein Thema." Dennoch entschied sich die junge Frau zunächst für ein Lehramtsstudium und arbeitet bis heute als Volksschulpädagogin.

Dann kam die Pandemie – und mit ihr eine neue Idee: "Nachdem ich mein drittes Kind bekommen hatte, kam mir der Gedanke in den Sinn, beruflich noch etwas anderes zu machen." Sie absolvierte eine Ausbildung im Bereich der Tiergestützten Therapie. "Als erstes Praxismodul stand eine Ziegenwanderung am Programm und ich dachte mir, das wird bestimmt langweilig." Nie hätte sie sich damals denken können, einmal selbst einen Ziegenhof zu führen – doch die Liebe zu den Tieren packte sie rasch.

Vom Ziegentrekking bis zum Yoga

"Eigentlich werden Ziegen oft unsympathische Eigenschaften zugesprochen. Sie gelten als zickig, bockig, stur und aufdringlich." Die Expertin sieht das freilich anders: "Ziegen sind besondere Tiere. Sie sind sehr intelligent, hören auf Zuruf und sind hier heimisch, was auch ein Vorteil ist. Sie haben außerdem einen starken Herdentrieb und eine klare Hierarchie innerhalb der Gruppe. Ich habe mir mittlerweile ein Vertrauen aufgebaut, das bedeutet sie folgen mir. Nicht weil sie müssen, sondern weil ich ihnen Sicherheit gebe. Sie wissen, dort wo wir hingehen gibt es Futter, sie kommen nicht in den Regen, denn Ziegen sind sehr saubere Tiere, und ich stelle mich mit meinem Stock als erste der Gefahr."

    Auf der "Meckerei" leben acht Ziegen in einer Herde.
    Auf der "Meckerei" leben acht Ziegen in einer Herde.
    Denise Auer

    Doch Linda Gröbl ist nicht nur alleine mit ihren Tieren unterwegs. Auf ihrer "Meckerei" bietet sie unterschiedliche Erlebnisse mit den Ziegen an – vom Yoga oder Trekking, über Kindergeburtstage und Fotoshootings bis hin zu Teambuilding-Events. Bei Letzterem stehen etwa die Körpersprache und das Durchsetzungsvermögen im Fokus. "Zwei Personen gehen immer voran. Da kann es sein, dass die Ziegen folgen oder eben nicht. Dann analysieren wir, warum sie es nicht tun", erklärt Gröbl. "Die Tiere verständigen sich mit Körpersprache. Sie sind Fluchttiere, das passiert also lautlos. Strahlt man Selbstsicherheit aus und tut zumindest so, als wüsste man wo es hingeht, folgen sie. Sieht man sich oft um und wirkt nicht orientiert, übernehmen sie die Führung. Denn ein Ausflug ist für Ziegen auch immer eine potentielle Gefahr – sie wissen nicht, dass es hier keinen Wolf gibt."

    Durchsetzen lernen im Team

    Danach gilt es für die Teams Aufgaben zu erledigen. So müssen sie etwa einen Zaun bauen und die Tiere darin unterbringen – wie, das ist Frage der Taktik. Oder es gibt gewisse Grünpflanzen, die die Ziegen nicht fressen dürfen und die Teilnehmer müssen sie davon abbringen. "Man muss Ziegen immer das Gefühl geben, etwas wäre ihre Idee. Dann machen sie es gerne", schmunzelt die Chefin. Dabei werde der Teamzusammenhalt gefördert, jeder brauche eine Aufgabe damit man das Ganze gut bewerkstelligt. Danach gibt es bei Steckerlbrot am Lagerfeuer eine Reflexionsrunde, bei der besprochen wird, woran im Team noch gearbeitet werden muss.

    Die Kurse werden von unterschiedlichsten Firmen gebucht, vom IT-Sektor bis zur Versicherungsbranche oder dem Marketingbereich. Das häufigste Feedback: "Das gemeinsame Erleben von Dingen, die man noch nicht gemacht hat, tut gut", so Gröbl. "Und dass man auch oft Neues über Mitarbeiter erfährt." Gleichzeitig soll das Beisammensein mit den Tieren erden und beinah meditativ sein – denn dabei wird Oxytocin ausgeschüttet. 

    "Wie habe ich jemals ohne Ziegen gelebt?"

    Besonderen Wert legt Gröbl auf das Tierwohl, ihren geliebten Ziegen soll es immer gut gehen. Auch ihre drei Kinder sind glühende Fans der Vierbeiner. Und auch das Umfeld freut sich: "Manchmal gehe ich im Ort mit den Ziegen spazieren und dann schauen die Leute", lacht die Niederösterreicherin. "Und der Bauer nebenan freut sich über den Ziegenmist, den er für den Weinanbau verwendet." Für Lisa Gröbl selbst steht eines fest: "Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, wie ich jemals ohne Ziegen gelebt habe!"

    ym
    Akt.