Aufnahmeritual – 15-Jähriger zündete Bombe bei Asylheim

Direkt vor der Haustür detonierte der Sprengsatz. Seit 2019 ist das Caritas-Asylheim in der Grazer Mitterstraße geschlossen.
Direkt vor der Haustür detonierte der Sprengsatz. Seit 2019 ist das Caritas-Asylheim in der Grazer Mitterstraße geschlossen.Google Street View
Ein Sprengstoffanschlag auf eine Grazer Asylunterkunft konnte nun geklärt werden. Amtsbekannte Rechtsextreme stifteten eine 15-Jährigen dazu an.

Nach über elf Jahren kann das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung endlich einen aufsehenerregenden Fall ad acta legen. Dabei handelte es sich um einen Sprengstoffanschlag auf eine Asylunterkunft in Graz, der sich in den Nachtstunden des 11. September 2010 zutrug.

Die Bombe detonierte damals im Eingangsbereich. Teile der steinernen Türschwelle wurden bis zu zehn Meter weit fortgeschleudert. Der Sprengkörper war selbstgebaut, die Verdächtigen verdichteten Schwarzpulver in einem Aluminiumbehälter.

Durch die Explosion wurden keine Personen unmittelbar verletzt, ein Bewohner aus Georgien schrak allerdings durch die Detonation auf, geriet in Panik, stürzte aus dem Bett und zog sich dabei eine Kopfverletzung zu.

Kogler ortete "rechte Hetzer" dahinter

Der damalige Spitzenkandidat der Grünen Steiermark, Werner Kogler, machte "rechte Hetzer" für die Tat verantwortlich. "Wenn durch Hetze das gesellschaftliche und politische Klima vergiftet wird, wenn über 'Spiele' Minarette und Menschen eliminiert werden, wird der Boden für solche verabscheuungswürdigen Gewalttaten aufbereitet", so der heutige Vizekanzler.

Zu Wort meldete sich auch der damalige BZÖ-Steiermark Chef Gerald Grosz: "Wer Moscheen-Spiele sät, wird Bomben ernten", sagte er in Richtung der FPÖ.

Mittels Bildern aus der Überwachungskamera wurde daraufhin öffentlich nach den mutmaßlichen Tätern gefahndet, allerdings ohne Erfolg. Im Zuge von Zeugenaussagen wurden zwei Personen ausgeforscht, bei diesen bestätigte sich der Tatverdacht jedoch nicht. Zehn Jahre später, im August 2020, wurden die Videoaufzeichnungen und Fotos erneut einem Zeugen vorgelegt. Er erkannte jemanden wieder.

Damals 15-Jähriger geständig

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde der Verdächtige einvernommen, zum Zeitpunkt war er erst 15 Jahre alt. Dabei zeigte er sich geständig und erklärte, von einem amtsbekannten Rechtsextremen zur Tat genötigt worden zu sein, um "in die rechtsextreme Clique" aufgenommen zu werden.

Weitergehende Ermittlungen führten zu sechs weiteren Verdächtigen, die mittlerweile auch namentlich bekannt sind. Drei von ihnen stehen im Verdacht, an der Tatausführung beteiligt gewesen zu sein. Ein anderer wurde angezeigt, weil einen Tätowierung, die unter das Verbotsgesetz fällt, trägt und Zeugen beeinflusst haben soll. Gegen einen weiteren Beschuldigten wird ermittelt, weil er einen der Mitbeschuldigten dazu genötigt haben soll, seine Aussage zurückzunehmen.

Bisher wurden zwei Verdächtige festgenommen, zudem kam es zu drei Hausdurchsuchungen, bei denen insgesamt 21 Mobiltelefone, fünf Laptops, Tablets und Computer sowie verschiedene Datenträger sichergestellt werden konnten. Bislang ist einer der Tatverdächtigen geständig, weitere Ermittlungen laufen.

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