Austro-Türken werfen Hofer "Nazi-Diktion" vor

FPÖ-Chef Norbert Hofer bei einer Kundgebung am Viktor-Adler-Markt in Favoriten.
FPÖ-Chef Norbert Hofer bei einer Kundgebung am Viktor-Adler-Markt in Favoriten.picturedesk.com
Wegen seines Sagers "der Koran ist gefährlicher als Corona" laufen austrotürkische Vereine gegen FPÖ-Chef Hofer Sturm. Sie sehen darin "Nazi-Diktion".

Die FPÖ hat den Wien-Wahlkampf am Dienstagabend am Viktor-Adler-Markt in Wien-Favoriten begonnen. Neben dem Wiener Landeschef Dominik Nepp hielt auch Bundesparteiobmann Norbert Hofer eine Rede. Darin sagte er unter anderem: "Der Koran ist die größere Gefahr als das Coronavirus."

Der Vergleich des Koran mit Corona sorgte am Dienstag für Empörung, nicht nur bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Auch mehrere austrotürkische Verein entrüsteten sich über die Äußerung. Der Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG), Birol Kilic fühlte sich in der von ihm gegründeten österreichisch-türkischen Zeitschrift "Yeni Vatan Gazetesi" an "Nazi-Diktion" erinnert, wie er sagt.

Auch Dönmez sieht "Verhetzung"

Den Vergleich von Religionen mit "Parasiten" kenne er historisch sonst nur aus der antisemitischen Propaganda der Nazis, so der TKG-Obmann. Hofer bediene sich hier indirekt ähnlicher Sprach- und Feindbilder, urteilt Bilic.

Auch der ehemalige Nationalratsabgeordnete Efgani Dönmez (zunächst ÖVP, dann parteilos) - selbst ein Kritiker des politischen Islam - verurteilte Hofers Äußerung: "Es gibt in der FPÖ leider noch immer Kräfte, welche zwischen Kritik und Diffamierung nicht unterscheiden können. Diese Aussage von Herrn Hofer ist an Niveaulosigkeit kaum zu unterbieten und ist einer ehemaligen staatstragenden Partei nicht würdig." Darüber hinaus erfülle die Äußerung den Tatbestand der Verhetzung.

Der frühere Abgeordnete Efgani Dönmez im Nationalrat
Der frühere Abgeordnete Efgani Dönmez im Nationalratpicturedesk.com

SPÖ fordert Entschuldigung

Auch SPÖ-Geschäftsführer Christian Deutsch kritisierte den Sager. "Hofers herabwürdigende Aussagen und skandalösen Vergleiche gegenüber der islamischen Religionsgemeinschaft sind vollkommen inakzeptabel", so Deutsch. Er forderte eine Entschuldigung für seine "diffamierenden Provokationen".

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