Nahost-Konflikt

Autor geht im ORF auf palästinensischen Botschafter los

In der ORF-"ZIB2" prallten am späten Montagabend Welten aufeinander – scharfe Kritik setzte es am palästinensischen Botschafter in Wien.
Rene Findenig
06.11.2023, 22:35
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Eine 14-Jährige lobte den Anschlag der Hamas auf Israel, ein 16-Jähriger sei glücklich, weil die Hamas getötet habe. Mit dieser Ansage eröffnete ORF-Moderator Armin Wolf am späten Montagabend die "ZIB2", in der Doron Rabinovici, österreichisch-israelischer Schriftsteller, und Salah Abdel Shafi, palästinensischer Botschafter in Wien, über den Nahost-Konflikt diskutierten. Das Gespräch wurde allerdings zum provokanten Schlagabtausch. "Ich glaube, niemand ist stolz auf irgendein Verbrechen, das zivile Bevölkerung zum Ziel hat", so Abdel Shafi. Der Botschafter erklärte, Angriffe zu Zivilisten seien "zu verurteilen und durch nichts zu rechtfertigen".

Wer das mache, müsse zur Rechenschaft gezogen werden, so der Botschafter, das gelte auch für Israel. Im Durchschnitt würden täglich 183 Kinder im Gazastreifen sterben, so seine Aussage. Seiner Meinung nach gehe die Reaktion Israels weit über Selbstverteidigung hinaus und Richtung "Völkermord". Mehr brauchte es nicht, um Rabinovici in Rage zu bringen: "Wir werden leider vergebens darauf warte, dass der Botschafter sagt, dass die Hams eine verbrecherische Terrororganisation ist und dass die Geiseln ohne Wenn und Aber freigelassen werden müssen." Was 7. Oktober, dem Tag des Hamas-Terrorangriffs auf Israel, passiert war, sei nicht rechtfertigbar, so Der Schriftssteller.

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„Diese Fokussierung auf Hamas, ich finde, das ist sehr einseitig“
Salah Abdel Shafi, palästinensischer Botschafter in Wien

Der Terror sei "Teil einer Vernichtungsaussage" und "genozidale Gewalt", warf Rabinovici dem Botschafter vor. Schwangeren sei der Bauch aufgeschlitzt und ihre Ungeborenen seien vor ihren Augen umgebracht worden. Es werde nicht genannt, was ist, so Rabinovici. Eine Verurteilung der Hamas durch den Botschafter blieb aber aus, denn dieser sah die Terroristen nicht nur "als Organisation", sondern auch als "Idee", Teil des "politischen Bildes" und "gewählte Partei". "Diese Fokussierung auf Hamas, ich finde, das ist sehr einseitig", klagte der Botschafter. Und: "Sie nennen nie, was die Siedler auf der Westbank anrichten." Menschen seien dort bei lebendigem Leib verbrannt worden.

"Warum müssen wir immer fokussiert auf die Frage sein?", so der Botschafter zum Terror-Vorwurf. Seine Aussage: Sobald die israelische "Besatzung beendet" sei, werde man "in guter nachbarschaftlicher Beziehung" zu Israel leben. "Dann können Sie mich noch einmal fragen", so Abdel Shafi. Gewalt durch Siedler "wurde niemals durch irgendeinen Kontext gerechtfertigt", reagierte Rabinovici. "Ich bin kein Botschafter, aber ich habe sie immer verurteilt", so der Schriftsteller. Sein Aber: Die Hauptschuld an den Toten trage zu 100 Prozent die Hamas, die Menschen an der Flucht hinderrn und sogar ermorden würde, während Israel die Menschen abziehen lassen würde.

„Israel ist einer genozidalen Gewalt ausgesetzt, einer existenziellen Gefährdung ausgesetzt“
Doron Rabinovici, österreichisch-israelischer Schriftsteller

"Ich glaube, es ist Aufgabe eines Botschafters, für seine Bevölkerung zu sprechen", denn es würden Palästinenser von der Hamas umgebracht, so der Schriftsteller. "Unser eigenes Haus wurde bombardiert, total zerstört", so dagegen der Botschafter: "Ich garantiere Ihnen, weder in unserem Haus, noch bei unseren Nachbarn, haben Hamas-Mitglieder gelebt." Das "Gemetzel muss ein Ende haben", so der Botschafter, der einen humanitären Waffenstillstand und schließlich auch eine "Zwei-Staaten-Lösung" forderte.

"Israel ist einer genozidalen Gewalt ausgesetzt, einer existenziellen Gefährdung ausgesetzt", so dagegen Rabinovici. Dass er generell eigentlich eine friedliche Position einnehme, habe sich grundsätzlich geändert. Fassungslos zeigte sich der Schriftsteller schließlich, als der Botschafter Moderator Wolf bestätigte, dass Israel auf das brutale Abschlachten Hunderter israelischer Bürger damit reagieren solle, den Palästinenser einen eigenen Staat zu ermöglichen. "So ist das", sagte der Botschafter dazu. Die Aussagen würden niemanden weiterbringen, sondern nur, wenn man die Gewalt verurteile und ausspreche, so Rabinovicis Reaktion.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } Akt. 06.11.2023, 22:54, 06.11.2023, 22:35
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