Buch-Neuerscheinung

Autorin über die Liebe: "Partnerschaft ist nicht alles"

Caro Reichl schreibt in "Das dreiste Schweigen meines Kühlschranks" über Liebe. "Heute" verrät sie, warum Beziehungen Perspektivwechsel brauchen.
Anna Wallinger
24.08.2026, 06:00
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Liebe, Loyalität – und ein Kühlschrank, der zumindest nicht lügt: In ihrem zweiten Roman "Das dreiste Schweigen meines Kühlschranks" (Erscheinungsdatum: 24. August) schickt die Linzer Autorin Caro Reichl ihre Protagonistin Rosa in ein Geflecht aus Freundschaft, Begehren und Misstrauen. Im "Heute"-Gespräch verrät sie, warum der Wunsch, für jemanden etwas Besonderes zu sein, gefährlich werden kann – und weshalb Freundschaften der großen Liebe durchaus Konkurrenz machen.

Ein Kühlschrank hat gegenüber einem Partner einen entscheidenden Vorteil: Man weiß ziemlich genau, woran man ist. Tür auf, etwas hineinstellen, Tür zu – und beim nächsten Öffnen ist es im Idealfall noch da. Keine Ausreden, keine Geheimnisse, keine komplizierten Beziehungsdiskussionen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Ein Partner wäre besser wie ein Kühlschrank", heißt es gleich zu Beginn von Caro Reichls neuem Roman. Was man hineingibt, bekommt man eben auch zurück. Klingt wenig romantisch – trifft aber einen Nerv.

Für Reichls Protagonistin Rosa steckt dahinter vor allem die Sehnsucht nach absoluter Klarheit. Sie wolle wissen, "was wirklich in einem vorgeht, ungefiltert und ausnahmslos", erklärt die Autorin im Gespräch mit "Heute". Ein Wunsch, mit dem Rosa wohl nicht allein ist: "Ich könnte mir vorstellen, dass viele Menschen dieses uneingeschränkte Wissen auch gerne in ihren Liebesbeziehungen hätten."

Wenn aus "Du bist besonders" eine Falle wird

Rosa und Almut sind seit ihrer Schulzeit beste Freundinnen, später arbeiten sie sogar in derselben Agentur. Eine eingeschworene Einheit – bis ein Mann auftaucht, mit dem Almut früher eine Affäre hatte. Rosa fühlt sich zu ihm hingezogen, Almut zieht sich zurück. Als dann auch noch Almuts Sohn etwas ausspricht, das Rosa nicht mehr loslässt, beginnt sie an den Menschen zu zweifeln, denen sie eigentlich am meisten vertraut.

Im Zentrum des Romans steht dabei vor allem auch ein verführerischer Gedanke: Für einen anderen Menschen etwas ganz Besonderes zu sein. Genau darin sieht Reichl eine Gefahr. Der Wunsch mache Menschen manipulierbar. Denn wenn uns jemand das Gefühl gibt, etwas Einzigartiges in uns zu sehen, "schmeichelt" das nicht nur. Es könne auch dazu führen, "die Fehler des anderen auszublenden, zu verzeihen und sich unter Umständen sogar selbst die Realität zu verdrehen". Der Grund ist so simpel wie menschlich: Man will diese Sonderstellung nicht verlieren. "Man wünscht sich ja auch, dass diese besondere Verbindung hält", sagt Reichl.

Muss es immer die große Liebe sein?

Im Liebes- und Datingleben 2026 stellt man sich ja so einige Fragen: Sind Beziehungen heute schwieriger geworden? Sind wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt, um uns wirklich auf einen anderen Menschen einzulassen?

Reichl will von diesen Zweifeln an die Liebe nichts wissen – und bezeichnet sich dabei selbst augenzwinkernd als "hopeless romantic". "Echte Verbindungen sind für Menschen überlebenswichtig und werden sie auch immer sein. Ich glaube allerdings, dass viele Menschen irgendwann merken, dass die Partnerschaft nicht das Nonplusultra der zwischenmenschlichen Verbindungen sein muss, sondern dass Freundschaften mindestens genauso wichtig sind."

Und damit landet man direkt bei der unangenehmsten Frage ihres Romans: Wem glaubst du, wenn es darauf ankommt – deinem Mann oder deiner besten Freundin? Reichls persönliche Antwort fällt diplomatischer aus als die Geschichte, die sie ihren Figuren zumutet: "Bei mir im Privaten: Sowohl als auch! Ohne Vertrauen funktionieren Beziehungen nicht. Das muss Rosa im Roman leider auch feststellen. Und auch, dass dieses Vertrauen leider auch ausgenutzt werden kann."

Rosa beichtet dem Kühlschrank

Dass Reichl ihrer Hauptfigur besonders nahegekommen ist, überrascht wenig. Schließlich erleben Leserinnen und Leser die Geschichte aus Rosas Perspektive – inklusive ihrer etwas eigenwilligen Beziehung zu ihrem Kühlschrank. "Ich habe mich sehr gerne in sie hineingefühlt, vor allem in ihre schrulligen Seiten, die sie ihrem Kühlschrank offenbart", erzählt Reichl.

Doch auch Almut und Rosas Mann durften beim Schreiben keine einfachen Gut-oder-Böse-Figuren werden. Gerade ihre Widersprüche seien entscheidend gewesen. Reichl brauchte schließlich "ausreichend Gründe für Rosa, um an ihnen zu zweifeln beziehungsweise ihnen zu vertrauen".

Und wem von ihnen sollte man nun tatsächlich misstrauen? Da wird die Autorin plötzlich verdächtig schweigsam. "Ich zweifle schon sehr an der Aufrichtigkeit von einer bestimmten Figur", gibt sie zu. Mehr wird nicht verraten: "Welche das ist, das darf schon jede Person beim Lesen selbst für sich herausfinden."

Caro Reichl, 1993 in Linz geboren, lebt in Wien und arbeitet als Kreativdirektorin und Autorin. Nach ihrem Debüt "Was glänzt, verschwindet mit uns" (2024) ist "Das dreiste Schweigen meines Kühlschranks" ihr zweiter Roman. Darin beschäftigt sie sich mit toxischen Beziehungsdynamiken, Loyalität, Rivalität – und der Frage, wie gut wir die Menschen kennen, denen wir am meisten vertrauen. Eine Lektüreempfehlung, der man vertrauen kann?!

{title && {title} } wall, {title && {title} } Akt. 24.08.2026, 09:31, 24.08.2026, 06:00
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