Wien

Bahnverkehr ist unpünktlicher als das Gesetz erlaubt

Bei 94,8 Prozent lag die Pünktlichkeit aller ÖBB-Verbindungen. Vorgeschrieben sind 95 Prozent. Verspätungsbetroffene haben Anspruch auf Entschädigung.
Heute Redaktion
13.06.2023, 14:39
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Die Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte wertete Daten der Regulierungsbehörde Schienen-Control, der Schieneninfrastruktur Dienstleistungsgesellschaft (SCHIG) und des Netzbetreibers (ÖBB Infrastruktur) zu insgesamt 21 Millionen Ankünften in Verkehrsstationen im Personen-Nah- und Fernverkehr aus.

Pünktlichkeit im Nahverkehr bei 94,8 Prozent

Im gesamten Nahverkehr der ÖBB-Personenverkehr lag die Pünktlichkeit der Züge 2022, unter Berücksichtigung von Zugausfällen und ungeplanten Schienenersatzverkehren, bei 94,8 Prozent. Dies bedeutet eine knappe Unterschreitung des gesetzlich festgeschriebenen Pünktlichkeitsgrades von 95 Prozent im Nahverkehr.

Als pünktlich gilt ein Zug bei der Auswertung dann, wenn er maximal fünf Minuten und 29 Sekunden verspätet ist.

Der Hauptgrund für diese Entwicklung war die Erholung der Fahrgastzahlen nach der COVID-19-Pandemie, heißt es von der Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte. So wurden mehr Reisende als 2021 befördert, was zu längeren Haltezeiten bzw. Haltezeitüberschreitungen an den Verkehrsstationen führte. Die wenigsten pünktlichen Züge (90,2 Prozent) verkehrten im November 2022. Dafür verantwortlich war der Bahnstreik am 28. November, der den öffentlichen Verkehr in Österreich weitestgehend lahmlegte.

Vorarlberg hat die Zugnase vorn

Am pünktlichsten verkehren die Züge in Vorarlberg mit einer durchschnittlichen Pünktlichkeit von 96,6 Prozent. Den letzten Platz im Pünktlichkeitsranking teilen sich Oberösterreich und Salzburg mit einer Pünktlichkeit von jeweils 93,3 Prozent im Nahverkehr.

So pünktlich waren die Züge in Wien

Innerhalb Wiens verlaufen fünf regelmäßig befahrene Strecken, die knapp 2,4 Millionen Ankünfte verzeichneten. Dies stellt
einen Anstieg von etwa 100.000 Ankünften dar, der durch den reduzierten Fahrplan aufgrund der Bauarbeiten zum Ausbau
des Marchegger Astes sowie von Umbauarbeiten in Wien Floridsdorf geringer ausfiel als in anderen Bundesländern. Die
Strecke Wien Donauuferbahnhof-Wien Kledering wurde von Jänner bis November 2022 als Umleitungsstrecke genutzt.
Die Vorortelinie zwischen Handelskai und Hütteldorf wies mit 97,7 Prozent erneut einen hohen Pünktlichkeitsgrad aus.
Die Strecken zwischen Wien Hauptbahnhof und Meidling bzw. zwischen Meidling und Hütteldorf erreichten über das Jahr
gerechnet einen Pünktlichkeitsgrad von jeweils 98 Prozent. Die Schnellbahn-Stammstrecke zwischen Wien Meidling und
Wien Floridsdorf konnte nur im Jänner, Februar und April Werte über 95 Prozent erreichen.

Pünktlichkeit im Nahverkehr des ÖBB-Personenverkehr 2022
Quelle: ÖBB‐Infrastruktur

Für Betroffene von Verspätungen gibt’s Entschädigung

Wenn der für alle Bahnen in Österreich gesetzlich festgelegte Pünktlichkeitsgrad von 95 Prozent (bzw. 92 Prozent bei der WESTbahn) in einem Monat nicht erreicht wird, erhalten Fahrgäste mit einer Verbund-Jahreskarte (bzw. regionales KlimaTicket) am Ende der Gültigkeitsdauer der Jahreskarte eine Entschädigung überwiesen. Beim KlimaTicket Österreich liegt der Pünktlichkeitswert bei 93 Prozent. Es steht Betroffenen in einem Monat ein Anspruch von maximal Zehn Prozent der Entschädigungsbasis zu. Als Entschädigungsbasis gilt der Ticketpreis abzüglich der Preisanteile für Beförderungen im Kraftfahrlinienverkehr (Busse), im Stadtverkehr und in nicht vernetzten Nebenbahnen. Erstattungsbeiträge von unter vier Euro können von einer Auszahlung ausgeschlossen werden, heißt es von der Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte.

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