Balkan-Männer müssen stark sein & Frauen kriegen Kinder

Männer und Frauen haben ein klar definiertes Rollenbild am Balkan.
Männer und Frauen haben ein klar definiertes Rollenbild am Balkan.Heute.at
Wer am Balkan als Mann geboren wird, der hat einige Pflichten, die er erfüllen muss. Viel Spielraum bei den Regeln gibt es nicht.
  • David Slomo
von
David Slomo

Wer glaubt, dass in Österreich das Patriarchat stark ausgeprägt ist, der hat wohl gar keinen Bezug zu den Balkan-Ländern. Denn vom nordwestlichsten Istrien bis zum Kap Tenaro in Griechenland - das als südlichster Punkt der Balkanhalbinsel gilt - haben Männer ihre Aufgaben, an denen man nicht rütteln kann. Wobei sich ja die Geister scheiden, ob die Hellenen überhaupt noch dazugehören oder nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Mir wurde schon in der Kindheit von meinen Großeltern eingetrichtert, was ich zu tun habe. Oder was ich eher nicht zu tun habe. Ich dürfe zum Beispiel nicht weinen, wenn mir etwas weh tut. So was machen Burschen eben nicht. Dafür habe ich möglichst kräftig und stark zu sein. Damals war noch Popeye ein Dauerbrenner im TV. Anhand der deformierten Comic-Figur wollte man mir klar machen: "Iss viel Spinat, damit du groß und stark wirst." Das, was Männer eben tun müssen, um überlebensfähig zu sein.

Klischees haben einen wahren Kern

Es kommt nicht von ungefähr, dieses Klischee vom Balkaner im Muskelshirt mit Goldkette vor einem möglichst teuren und protzigen Wagen. Denn diese Prototypen gibt es nun mal. Das lässt sich nicht leugnen. Aber wir werden auch zu diesem Bild hingetrimmt. Ein Mann ist nämlich nur dann ein Mann, wenn er möglichst stark ist und viel hat. Und ist er es nicht, dann hat er gefälligst so zu tun als ob. 

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Und wenn eine Seite in das Geschlechter-Rollenbild passen muss, dann muss es auch die zweite. Frauen sollen sich um den Haushalt kümmern, kochen und irgendwann Kinder kriegen. Das gehört nunmal zum guten Ton. Wenn eine Frau in ihren frühen Zwanzigern nicht heiratet, dann muss sie mit schiefen Blicken rechnen. So wie zum Beispiel meine Cousine, die sich gegen jegliche Traditionen gesträubt und sich lieber einen Studienabschluss statt einem Mann geangelt hat. Ein Mann sollte übrigens auch lieber früher als später heiraten, darf sich aber doch ein wenig mehr ausleben.

Rollenbilder von Kriegen geprägt

Klar, die Regeln werden aktuell immer mehr aufgebrochen und aufgeweicht. Trotzdem existieren sie noch. Und zwar auch belegt. Der kroatische Soziologe Ivan Prolic meinte in der "Süddeutschen Zeitung", dass man noch viel zu wenig über Balkanerinnen als "Ernährerinnen der Familien" weiß. Nicht weil sie nicht erforscht werden, sondern weil es einfach zu wenige gibt.

Über diesen Blog

Hallo und herzlich willkommen zu "Hajde", dem Balkan-Blog auf "Heute.at"! Unser Blogger ist zwischen Sarma und Wiener Schnitzeln aufgewachsen. Wie das so ist? Er verrät's euch in seinen Kolumnen. Übrigens: "Hajde" bedeutet auf Deutsch so viel wie "Los geht's!"

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Eure Inputs sind willkommen unter balkanblog@heute.at

Der Grund, wieso der Geschlecher-Unterschied am Balkan noch so präsent ist, ist eigentlich recht schnell erklärt: Der Jugoslawien-Krieg ist gerade einmal 30 Jahre her. Und keine zwei Generationen herrschten die Weltkriege. Die Männer mussten also stark sein und in den Kampf ziehen. Die Frauen blieben zu Hause und passten auf Haushalt und Kinder auf. Genau dieses Bild gab man den Nachkommen wieder weiter. 

Zugegeben: Was das Goldketterl mit einem Krieger zu tun hat, das kann ich auch nicht sagen. Aber sollte das das einzige Relikt der Balkan-Rollenbilder bleiben, dann könnten auch alle damit leben. Denke ich. 

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