Im Schwerlastverkehr, in der Schifffahrt und beim Fliegen sind flüssige Kraftstoffe vorerst unverzichtbar, weil elektrische Antriebe nicht überall praktikabel sind.
Eine mögliche Alternative zu Erdöl sind pflanzliche Kraftstoffe - und hier rückt jetzt eine überraschende Pflanze in den Fokus: Bambus.
Forscher des Worcester Polytechnic Institute in den USA haben die Bambusart Phyllostachys nuda als Rohstoff für Biokraftstoff untersucht. Sie verwendeten dafür die sogenannte hydrothermale Verflüssigung, bei der Biomasse unter hohem Druck in heißem Wasser zerlegt wird.
Bei 300 Grad Celsius und zehn Minuten Reaktionszeit erreichten sie die beste Ausbeute: 35,6 Prozent der trockenen Bambusmasse wurden zu Bio-Rohöl umgewandelt, wie es bei scinexx heißt. Dieses Zwischenprodukt kann anschließend zu Dieselkraftstoff weiterverarbeitet werden.
Die Klimabilanz des Bambus-Kraftstoffs überzeugt: Die Forscher kommen auf nur 3,5 Gramm CO2-Äquivalente pro Megajoule Kraftstoffenergie - verglichen mit 91 Gramm für fossilen Diesel. Das entspricht einer Reduktion von rund 96 Prozent.
Ein weiterer Vorteil: Bambus wächst sehr schnell und liefert jährlich 22 bis 44 Tonnen Trockenmasse pro Hektar. Die gleiche Energiemenge wie die gesamte US-Maisethanolproduktion könnte laut den Forschern auf nur 13 Prozent der dafür benötigten Anbaufläche erzeugt werden.
"Bambus könnte der Industrie eines Tages einen Weg eröffnen, kohlenstoffarme Flüssigkraftstoffe in großem Maßstab herzustellen", sagt Prof. Michael T. Timko. Ob sich die vielversprechenden Laborergebnisse allerdings auch in großen Anlagen erreichen lassen, müssen erst weitere Versuche zeigen.