Bein weg wegen Penisfotos: 7 Jahre Haft für Lenker

Weil Philipp L. (40) mit dessen Frau geflirtet hatte, fuhr ein 39-jähriger Austro-Türke den 40-Jährigen an. Heute kam es zum Prozess – war es Mordversuch oder nicht?
Unter großem Medieninteresse, sogar deutsche Fernsehstationen lagen auf der Lauer, begann Donnerstagfrüh der Prozess wegen versuchten Mordes gegen einen 39-Jährigen am Landesgericht Korneuburg.

Philipp L., ein gut aussehender und fitter Österreicher, hatte mit der Frau des Austro-Türken immer wieder geflirtet und gechattet ("Heute" berichtete). Die Austro-Türkin, die Postfilialleiterin war, soll aber vielen jungen Männern in der Post schöne Augen gemacht haben. Gerne begrüßte sie Männer mit: "Hallo, schöner Mann."

Frau war Dauer-Flirterin

Laut der Lebensgefährtin (35) des Opfers soll es immer wieder zu Warteschlangen gekommen sein – vor allem wenn junge Männer als Kunden in der Post waren: "Wie geht das, dass eine dreifache, verheiratete Mutter jeden fremden, jungen Mann anmacht?", fragte die 35-Jährige vor Gericht.

Auch im Falle von Philipp L. soll die Initiative von der Austro-Türkin ausgegangen sein. Der 40-Jährige, der beruflich viele Packerl bekam und aufgeben musste, gab der Austro-Türkin schließlich die Handynummer, um sich Wege und Zeit zu ersparen. In der Folge entstand ein intensiver Chatverkehr – er soll ihr immer wieder Fotos von seinem stattlichen Gemächt geschickt haben, sie soll sogar mit Busenfotos geantwortet haben. Die Lebensgefährtin des Opfers entdeckte schließlich den Chat, die Kellnerin, die mit dem 40-Jährigen ein Kind hat, zeigte sich daraufhin geschockt. Sie konfrontierte damit ihren Lebensgefährten und schließlich auch den Austro-Türken.

Beichte an Austro-Türken

Daraufhin soll die Ehefrau dem 39-Jährigen die Story abgeschwächt gebeichtet haben, natürlich ging da die Initiative nicht von ihr aus. Daraufhin soll der Austro-Türke Philipp L. massiv bedrängt und bedroht haben, gegenseitige Beschimpfungen folgten.

Der 39-Jährige war bereits im April beim Haus des 40-Jährigen vorbeigefahren, im Mai brachte er seine Kinder zum Arzt, fuhr, angeblich spontan, wieder am Haus des Opfers vorbei. Dabei sah er den 40-Jährigen, der gerade mit einem Bekannten (32) beim Haus arbeitete. Der Austro-Türke blieb stehen, gab Gas, rammte Philipp L. und drückte ihn gegen den Gartenzaun. Der 32-Jährige konnte sich durch einen Sprung zur Seite retten, ging dann seitlich zum VW des Lenkers, trommelte gegen die Scheibe: "Er hatte mit beiden Händen fest das Lenkrad umklammert und den Blick auf Philipp fixiert. Erst durch mein Klopfen wachte er auf und flüchtete anschließend", so der 32-Jährige vor Gericht im Zeugenstand. Der Austro-Türke meldete schließlich den "Unfall" bei der Polizei. Als Zweifel an der Unfallversion aufkamen, redete sich der 39-Jährige auf seinen Glauben ("Nix gegessen wegen Ramadan") und eine Schilddrüsenerkrankung aus. Doch die Ausflüchte brachten nichts, der 39-Jährige wanderte in Untersuchungshaft.

Bein amputiert und Rollstuhl

Phillip L. erlitt gröbste Beinverletzungen, ein Bein war unterhalb des Knies nur noch Matsch, das zweite Bein war schwer bedient. Der bedauernswerte 40-Jährige war nach dem "Unfall" bei Bewusstsein, konnte noch seinen Ersthelfern sagen: "Das war volle Absicht." Mit schwersten Verletzungen wurde das Opfer ins Spital gebracht, ein Bein wurde amputiert, das zweite ist heute noch immer nicht wiederhergestellt, der 40-Jährige braucht einen Rollstuhl.

Der Gutachter vor Gericht: "Der Angeklagte dürfte aus sechs bis acht Metern Entfernung gestartet sein und das Opfer mit mindestens 10 bis 15 km/h, eher 20 km/h erfasst haben. Doch selbst ein km/h hätte gereicht. Dass der Mann überlebt hat, ist nur auf seinen fitten Allgemeinzustand zurückzuführen. Er verlor sehr viel Blut, hätten ihn die Retter nicht abgebunden, wäre er gestorben."

Ein Kuss, aber nie Sex

Das Opfer stellte vor Gericht klar: "Wir hatten niemals Sex. Es gab einen Kuss in der Postfiliale und das wars schon wieder. Und ja, über die Komplimente habe ich mich gefreut und fühlte mich geschmeichelt." Die gegenseitigen Beschimpfungen zwischen ihm und dem Austro-Türken gab er ohne weiters zu. Gut zu sprechen war er auf den 39-Jährigen freilich nicht: Im Handy hatte er den 39-Jährigen unter "Türkensau" eingespeichert.

"Bin kein rachsüchtiger Türke"

Der Angeklagte weinte vor Gericht bittere Tränen, teils womöglich aus Selbstmitleid: "Als ich sein Gesicht gesehen habe, ist alles hochgekommen – die Penisfotos. Da war mir alles egal und ich bin aufs Gas gestiegen", so der 39-Jährige schluchzend. Dabei beteuerte der Austro-Türke ständig: "Ich wollte ihn nicht töten." Er sei kein rachsüchtiger Türke, sonst hätte er wohl zuerst seine Ehefrau getötet. Geständig zeigt er sich nur zum Vorwurf der absichtlichen, schweren Körperverletzung.

Die Anwälte (Manfred Arbacher-Stöger, Rudolf Mayer) des Angeklagten meinten: "Das war nie ein Mordversuch. Der Mandant ist spontan zum Haus des Opfers gefahren." Weiters meinte Manfred Arbacher-Stöger, dass Opferanwalt Johannes Bügler bis dato alle Zahlungsangebote zur Schadenswiedergutmachung abgelehnt hätte.

Bereits gegen Mittag zogen sich die Geschworenen zur Urteilsberatung zurück. Die entscheidende Frage für die Geschworenen dabei: War es Mordversuch oder nicht?

Der Opferanwalt beantragte 689.000 Euro Schmerzensgeld, Rudolf Mayer erkannte einen Teilbetrag von 150.000 Euro. Die Geschworenen entschieden einstimmig gegen Mordversuch. Das recht milde Urteil: Sieben Jahre Haft wegen absichtlich schwerer Körperverletzung mit Dauerfolgen (nicht rechtskräftig).



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