Belgien macht bei der Atomkraft einen kompletten Kurswechsel. Die Regierung und der bisherige Betreiber Engie haben sich auf einen sofortigen Stopp des Rückbaus aller Atomreaktoren im Land geeinigt.
Gleichzeitig werden Verhandlungen über eine staatliche Übernahme der Atomreaktoren aufgenommen. Das teilte der belgische Regierungschef Bart De Wever auf der Plattform X mit.
Wie NTV berichtet, hatte das belgische Parlament bereits im vergangenen Jahr den Atomausstieg des Landes rückgängig gemacht. Der Stopp aller Rückbauarbeiten solle "sicherstellen, dass dem belgischen Staat alle Optionen offenstehen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.
"Diese Regierung entscheidet sich für sichere, bezahlbare und nachhaltige Energie", begründete De Wever die Pläne. "Mit weniger Abhängigkeit von fossilen Importen und mehr Kontrolle über unsere eigene Versorgung."
In Belgien sind derzeit zwei Reaktoren in Betrieb: einer im Kraftwerk Doel an der niederländischen Grenze und einer im AKW Tihange bei Lüttich, rund 50 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.
Ursprünglich sollten beide Reaktoren im vergangenen Jahr abgeschaltet werden. Ihre Laufzeit wurde jedoch infolge der Energiekrise 2022 bis 2035 verlängert.
Daneben gibt es fünf stillgelegte Reaktoren - drei in Doel und zwei in Tihange. Darunter ist der umstrittene Reaktor Tihange 2, der 2023 abgeschaltet wurde. Alle Reaktoren stammen aus den 1970er- und 1980er-Jahren.