Bereits neunter Frauenmord in Österreich in diesem Jahr

In diesem Jahr sind bereits neun Frauen von ihrem Partner bzw. Ex-Partner getötet worden.
In diesem Jahr sind bereits neun Frauen von ihrem Partner bzw. Ex-Partner getötet worden.GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com
Nach der Bluttat in Wien-Brigittenau, ist die Diskussion um den Opferschutz bei Gewalt in der Familie erneut entfacht.

In einem Gemeindebau in der Brigittenau kam es am Donnerstagabend zu einer schrecklichen Bluttat. Wie berichtet, schoss ein 42-Jähriger, bei dem es sich "Heute"-Infos zufolge um den bekannten "Bierwirt" handeln soll, seiner Ex-Lebensgefährtin in den Kopf. Trotz aller Bemühungen der Ärzte erlag die zweifache Mutter nur wenige Stunden später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Es ist der bereits neunte Frauenmord in Österreich in diesem Jahr.

Jährlich fast 6.200 Fälle von Gewalt in der Familie

"Da müssen wir was tun", erklärte Grünen-Ministerin Leonore Gewessler tief bewegt am Freitag, und tatsächlich: Allein im Vorjahr sind in der Bundeshauptstadt von der Interventionsstelle 6.199 Fälle von Gewalt in der Familie betreut worden. Zu viele!

Eine langfristige und intensive Unterstützung Betroffener sei so nicht mehr möglich, beklagt die Leiterin Rosa Logar gegenüber der APA. Nicht einmal fünf Stunden hat ein Berater Zeit - in akuten Hochzeiten gilt es bis zu 300 Opfer zu betreuen: "Das ist eine grobe Ungerechtigkeit".

Jetzt ist die Politik gefordert

Die Einrichtungen hätten mehrfach die Politik um Hilfe gebeten, weil die Anforderungen gestiegen seien. "Es ist eine Illusion zu glauben, man kann mit einem Gespräch den Täter von etwas abhalten", so Logar. Wenn mehr Mittel für die Opferbetreuung zur Verfügung stünden, könnten Eskalationen oftmals vermieden werden. Auch brauche es eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz und Opferschutzeinrichtungen als wichtigste Komponente im Gewaltschutz. 


Bei akuter Gewalt rufen Sie sofort die Polizei - 133 oder 112

Für eine sichere Unterkunft rufen Sie den Frauenhaus-Notruf Wien -  05/77 22

Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie - 01/585 32 88 

Beratung bietet die Frauenhelpline -  0800/222 555

Frauenministerin Susanne Raab: "Dieser brutale Mord ist absolut schockierend und macht mich zutiefst betroffen. Grausame Taten wie diese sind die Spitze des Eisbergs, denn Gewalt gegen Frauen beginnt bereits bei abwertenden Äußerungen und Beschimpfungen und reicht bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. Mir ist es daher wichtig, dass jede Frau weiß, dass sie einen Zufluchtsort hat, wo sie bereits bei den ersten Anzeichen von Gewalt Schutz findet."

HIER >> "Müssen was tun" – Ministerin kämpft mit den Tränen

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