Berlin-Kreuzberg soll Coffeeshop bekommen

Im Berliner Stadtteil Kreuzberg soll der erste Coffeeshop Deutschlands entstehen. Das Stadtteilparlament wird sich mit einem entsprechenden Antrag der Grünen befassen.


Dahinter verbirgt sich der Plan, dass der Bezirk in einem Geschäft oder Ladenlokal die Drogen selbst verkauft, um auf diese Weise dem überbordenden illegalen Handel das Wasser abzugraben. In der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg dürfte der Antrag durchgehen, denn die Grünen werden von den Piraten unterstützt. Allerdings muss das Projekt noch hohe Hürden nehmen, bevor es realisiert werden kann.

Die Idee zum städtischen Drogenverkauf stammt von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Sie hört allerdings den Bezug auf das Vorbild der niederländischen Coffeeshops nicht so gerne. "Es geht nicht um ein lustiges Cafe, wo ich Marihuana und Dope kaufe", sagte sie. Sie nennt es lieber ein "Fachgeschäft", wie es diese auch für Bonbons und Herrenhemden gebe.

"Dann bricht ein weiterer Damm"  

Die Polizei hat bisher vergeblich versucht, den massiven Umschlag vor allem von Marihuana und Haschisch im Görlitzer Park zu unterbinden. Polizeisprecher Thomas Neuendorf verweist auf zahlreiche Kontrollen, die in der Parkanlage stattgefunden haben. Allerdings räumt er ein: "So lange es Konsumenten gibt, wird Handel stattfinden." Einen Coffeeshop lehne die Polizei dennoch ab. "Dann bricht ein weiterer Damm und eine Stufe kommt zur anderen."

Das sieht Herrmann anders: "Wenn wir die Händler und ihre Produkte in den Griff kriegen wollen, müssen wir den Verkauf unter Kontrolle kriegen." In dem geplanten Coffeeshop müssten die Kunden nachweisen, dass sie 18 Jahre oder älter sind. Medizinisch geschulte Mitarbeiter und Sozialarbeiter sollten außerdem einen Blick auf die Kunden werfen und ihnen bei Bedarf Unterstützung anbieten. So solle eine "Bagatellisierung des Verkaufs" vermieden werden.

Kauf und Verkauf verboten

In Deutschland sind Kauf und Verkauf von Cannabis und Haschisch verboten - das gilt grundsätzlich auch für Behörden. Um dennoch einen Coffeeshop einrichten zu können, muss der Bezirk beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn, das dem Gesundheitsministerium unterstellt ist, eine Ausnahmegenehmigung beantragen.
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