Berlusconi hielt "8 Verräter" auf Notiz fest

"308 - 8 Verräter". Dieser Schnappschuss wird wohl in die Geschichte eingehen: Auf einem Notizzettel hielt Berlusconi nach der Schlappe die Anzahl der "Verräter" fest. Und: Ein neues Berlusconi-Fettnäpfchen sorgt für Wirbel.
"308 - 8 Verräter". Dieser Schnappschuss wird wohl in die Geschichte eingehen: Auf einem Notizzettel hielt Berlusconi nach der Schlappe die Anzahl der "Verräter" fest. Und: Ein neues Berlusconi-Fettnäpfchen sorgt für Wirbel.

In der Früh vor der Abstimmung über den Rechenschaftsbericht 2010 hatte Berlusconi noch optimistisch geplänkelt: "Wenn ich sterbe, dann in der Aula (des Parlaments)", soll der Cavaliere. Der Bericht wird nur durchgewinkt, weil sich die Opposition der Stimme enthielt. Deutlich weniger als die absolute Mehrheit stimmt für den Rechenschaftsbericht.

"308- 8 Verräter"

Ein Schnappschuss des Agenturfotografen Tony Gentile macht deutlich, was in diesen Sekunden im Kopf des Cavaliere vor sich geht: "8 traditori" (übersetzt: 8 Verräter), kritzelt er auf einen Notizzettel. Damit gemeint sind die Abtrünnigen aus den eigenen Reihen. Die Acht hat er eigenhändig eingekreist. Darunter notiert Berlusconi fünf Szenarien für die Zukunft. Italienische Journalisten entzifferten: "Politische Umkehr", "Voting", "zur Kenntnis nehmen", "Lösung" und "Rücktritt". Noch am Abend hat er sich für die letzte Lösung entschieden: Er kündigt den Rücktritt an.

Spiel auf Zeit

Zuerst aber will der Regierungschef die für Italien so notwendigen Haushalts- und Reformgesetze verabschieden, die er auf europäischer Ebene versprochen hatte. Das wird wohl inenpolitisch noch ein steiniger Weg werden.



Mussolini-Sager sorgt für Wirbel

In einem der ersten Interviews nach seiner Ankündigung, sein Amt niederlegen zu wollen, signalisierte Berlusconi, dass er sich hilflos fühle - und bemühte dazu einen zweifelhaften Vergleich: Er erinnere sich an ein Buch mit Briefen des faschistischen Diktators Mussolini an seine Geliebte Claretta, sagte Berlusconi der Zeitung "La Stampa". An einer Stelle schreibe Mussolini: "'Verstehst du denn nicht, ich zähle hier gar nichts mehr. Ich kann nur noch Empfehlungen abgeben'. Tja, und so fühle ich mich auch." Natürlich sei er selbst aber "kein Diktator", fügte Berlusconi auf eine entsprechende Frage des Journalisten hinzu, "auch wenn Sie das jahrelang geschrieben haben". Italien ist wieder einmal fassungslos.



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