Entspannter Abend in einer Konoba, gutes Essen und ein Erinnerungsfoto – eigentlich nichts Ungewöhnliches für einen Sommerurlaub in Kroatien. Doch der Mann neben dem österreichischen Unternehmer Franz Schillinger ist alles andere als unumstritten.
Schillinger, der unter anderem im Yachtgeschäft tätig ist, traf auf den Kornaten gemeinsam mit seiner kroatischen Ehefrau Snježana auf Marko Perković Thompson und dessen Frau Sandra. Fotos des Treffens teilte der Österreicher anschließend selbst in den sozialen Netzwerken.
Für ihn sei es ein "besonderer Abend" gewesen.
Schillinger kennt den Sänger nach eigenen Angaben bereits seit einigen Jahren. Kennengelernt hätten sich die beiden ursprünglich bei einem geschäftlichen Treffen.
Nun fand der Unternehmer ausgesprochen warme Worte für den 59-Jährigen. Er habe über die Jahre viele beeindruckende Menschen kennengelernt, Thompson begeistere ihn jedoch immer wieder als "ehrlicher, bodenständiger und unprätentiöser" Mensch.
Schillinger ging dabei auch auf die politische Debatte um den Musiker ein. Manche würden in Thompson vor allem Politik sehen. Er selbst sehe hingegen einen Mann, der sein Land verteidigt habe, seinen Wurzeln treu geblieben sei und mit seiner Musik Millionen Menschen erreiche.
Eine Aussage mit durchaus brisantem Hintergrund.
Marko Perković gehört zu den erfolgreichsten, gleichzeitig aber auch umstrittensten Musikern Kroatiens. Seinen Künstlernamen "Thompson" erhielt der Sänger während des Kroatienkriegs Anfang der 1990er-Jahre – benannt nach der Maschinenpistole gleichen Namens.
In Kroatien genießt er insbesondere in nationalkonservativen Kreisen Kultstatus. Seine Konzerte mobilisieren enorme Menschenmassen. Im Juli 2025 kamen zu seinem Großkonzert auf dem Zagreber Hippodrom mehrere Hunderttausend Menschen.
Doch seit Jahren wird Thompson von heftigen Kontroversen begleitet.
Sein während des Kroatienkriegs entstandener Song "Bojna Čavoglave" beginnt mit "Za dom spremni" („Für die Heimat bereit“) – einem Gruß, der vom faschistischen Ustascha-Regime des sogenannten Unabhängigen Staates Kroatien während des Zweiten Weltkriegs verwendet wurde.
Auch Teile seines Publikums sorgten wiederholt mit Ustascha-Symbolen und entsprechenden Gesten für Kritik. Beim riesigen Zagreb-Konzert 2025 wurden erneut entsprechende Rufe und Gesten dokumentiert, was international für Schlagzeilen sorgte.
Thompson selbst weist seit Jahren Vorwürfe zurück, er sei Faschist oder verherrliche die Ustascha-Ideologie.
Seiner Popularität in Kroatien tun die Kontroversen bislang kaum einen Abbruch. Auch diesen Sommer spielte Thompson mehrere große Konzerte, unter anderem in Zaprešić, Šibenik und Imotski. Ende August soll ein weiterer Auftritt in Vukovar folgen.
Danach will der Sänger Kroatien verlassen und mit seiner Musik wieder durch Europa touren. Als erster Termin wurde für November ein Konzert in Frankfurt angekündigt.
Auf den Kornaten ging es für Thompson vorerst deutlich ruhiger zu. Und Franz Schillinger scheint der gemeinsame Abend jedenfalls in Erinnerung zu bleiben: "Danke, Marko. Es war mir eine große Freude, dich wiederzusehen", schrieb der Österreicher anschließend.