Ein Fünftel der neuen Betriebe kommt aus Deutschland

Bürgermeister Michael Ludwig und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (beide SPÖ).
Bürgermeister Michael Ludwig und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (beide SPÖ).Sabine Hertel
44 der insgesamt 218 Betriebe, die sich 2020 in Wien angesiedelt haben, kommen aus Deutschland. Insgesamt gehen die Ansiedelungen allerdings zurück.

Insgesamt 218 internationale Betriebe haben sich 2020 in Wien angesiedelt, seit 2012 wurde damit das drittbeste Ergebnis erzielt. 44 der neuen Betriebe – und damit rund ein Fünftel – kommen aus Deutschland. Erstmals auf dem zweiten Platz folgte mit 16 Unternehmen Großbritannien. Auf dem dritten Platz liegt Italien mit 14 Projekten, danach folgen die Schweiz, Slowakei und Russland. Dass als erstes nicht-europäisches Land die USA nur an achter Stelle liegt, spiegelt auch bereits die Corona bedingten Reise-Einschränkungen wider.

Die neuen Betriebe in Wien teilen sich quer über alle Wirtschaftsbranchen auf. Ein Beispiel dafür ist die US-Burger-Kette "Five Guys", die mit "Five Guys Vienna" seit Kurzem in der Wiener Innenstadt beheimatet ist. "Für den Start unseres Rollouts für 25 Stores in Zentral- und Osteuropa haben wir uns bewusst für Wien entschieden, da es perfekt im Herzen Europas liegt. Der Empfang und die Resonanz, die wir in Wien bekommen haben, hat uns schlicht und einfach überwältigt", so Barry Polley, Gründer und Vorsitzender von Five Guys Central Europe.

Trotz Rückgang zufriedenstellendes Ergebnis

Auch das Startup Lookinmed Services mit seinem aus Ungarn stammenden Mitgründer und CEO András Réti setzt auf Wien als wirtschaftliche Heimat. Lookinmed bietet Videoproduktionen für digitale medizinische Ausbildungszwecke an und entwickelt gerade einen robotergesteuerten Kamerakran für die Live-Übertragung von medizinischen Operationen, um die Lernerfahrung der Studierenden zu verbessern. "Der Hauptgrund, warum wir Lookinmed Services in Wien gegründet haben, war nicht nur mit den guten Voraussetzungen für Forschung und Entwicklung verbunden. Das Team von Lookinmed kann in Wien unabhängig von politischen Gruppen, Universitäten oder Finanzinstituten in einem ausgewogenen F&E-Umfeld arbeiten", sagt Andràs Réti.

Trotz der positiven Beispiele – im Vergleich zu den Vorjahren gehen die Ansiedelungen allerdings zurück: 2019 waren es noch 266 Neuzugänge gewesen, 2018 immerhin 221. Bürgermeister Michael Ludwig, Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (beide SPÖ) und der Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, Gerhard Hirczi, zeigten sich jedoch trotz des Rückgangs mit dem Ergebnis zufrieden. "Dieses hohe Interesse ausländischer Unternehmen an unserer Stadt in einem durch die Pandemie gekennzeichneten Jahr zeigt deutlich, dass Wien international als stabiler und sicherer wirtschaftlicher Boden betrachtet wird", meinte Ludwig im Rahmen einer Pressekonferenz. "Die Neuansiedlungen der 218 Unternehmen aus dem Ausland lösen in Wien 263 Millionen Euro an Investitionen aus und bringen 1.718 Arbeitsplätze", freut sich Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke. Und Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien: "Wir haben 2020 die Ergebnisse unserer seit Langem geknüpften internationalen Business-Beziehungen eingefahren."

Neue MA35-Servicestelle für Expats geplant

Der Ausblick auf die nächsten Jahre fällt bedingt durch die Corona-Auswirkungen allerdings eher ernüchternd aus: "Internationale Betriebe, die einen neuen Unternehmensstandort eröffnen wollen, planen diese Ansiedlung natürlich lange voraus. Die Ergebnisse dieser langfristigen Planung der Vorjahre sehen wir in der guten Ansiedlungsbilanz 2020 verwirklicht. Realistisch müssen wir aber unsere Erwartungen für das nächste Jahr herunterschrauben, sind doch die Bedingungen für erfolgreiches internationales Standortmarketing seit einem Jahr massiv erschwert", so Hanke.

Dennoch gibt es konkrete Pläne: So arbeitet die Wirtschaftsagentur Wien derzeit in enger Kooperation mit der MA 35 an einer neuen Servicestelle für internationale Fachkräfte und Wissenschaftler, die im Sog der ansiedlungswilligen Unternehmen mit ihren Familien nach Wien ziehen wollen. Ziel ist es, an einem gemeinsamen Standort – dem Business Immigration Office– für die speziellen Bedürfnisse von sogenannten Expats eine Beratung anzubieten und die notwendigen aufenthaltsrechtlichen Verfahren abzuwickeln. Da derzeit durch Corona auch der Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland zurückgeht, ist die Inbetriebnahme des Business Immigration Office für Mitte 2021 geplant.

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